Dünne Luft
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Schöner fliegen
Merci, dass es dich gibt

Ich gestehe, auch ich bin nicht frei von Manipulation durch Werbeprofis. Kennt noch jemand von Ihnen diese Werbung für Patros Feta-Käse mit Helmut Fischer? Nein? Vermutlich wurde die nie überregional ausgestrahlt. Da zerbröckle ich vorhin Feta in meinen Salat und denke wehmütig an die gute alte Zeit, in der a bissl was ollaweil ging [für des Bayrischen nicht Mächtige: ein wenig geht immer] und ich gerade im Begriff war, die Welt der Spießer und Langweiler zu erobern. Meine Phantasien von griechisch-bayerischer Freundschaft zerplatzt just im Moment, als mein Blick auf die Verpackung fällt. Das ist kein Patros Käse, sondern ein unbekanntes Produkt, das die Patros Abbildung nur geschickt imitiert. Mein Salat schmeckt sofort vollkommen fremd. Allerdings fühle ich mich schon viel fitter, seit ich nur noch Ritter Sport Schokolade esse.

Zum Thema Werbung fällt mir noch ein, dass manche Produktnamen wahre Selbstläufer sind, so z.B. Tempo, Labello, Penatencreme und und und. Wer würde denn sagen:" Hat jemand ein Softie für mich?" wenn er ein Taschentuch möchte oder etwa: "Ich brauche jetzt einen Lippenfettstift"? In anderen Ländern haben gleiche Produkte andere Namen. So heißt unsere Viss Scheuermilch in Spanien etwa Siff. Unter diesem Namen würde sich ein Reinigungsmittel wohl bei uns nicht verkaufen lassen. Andere Namen stellen Kunden vor wahre Herausforderungen. Fragen Sie mal eine Siebzigjährige, wie Febreze geschrieben wird oder wie man Ace spricht. Meine Oma sprach zeitlebens von Te schirtl und Saiboads. Auf dem Einkaufszettel finden sich bestimmt einige Stilblüten und so mancher wird dann doch zu anderen Produkten greifen.

Vor einigen Woche suchte ich ein neues Shampoo. Da die meisten sehr aggressive Inhaltsstoffe aufweisen, suchte ich in der Babyabteilung. Das gute alte Penatenlabel ist uns allen ein Begriff. Wer von uns hatte nicht die Creme auf dem Popo und später auf dem ein oder anderen Wehwehchen? Auch der Duft des Öles ist in meinem Gehirn untrennbar mit der Assoziation voller Windeln gekoppelt; er ist unverwechselbar. Jedoch verlangt jeder Markenname sein Attribut in Form harter Währung. In der heutigen Wirtschaftssituation tendiere ich schon allein deswegen zu billigeren Artikeln. Während ich so hin- und hergerissen zwischen Billig- und Penatenprodukt bin, lese ich auf letzterem die Aufschrift: "No more tears – keine Tränen mehr". Das nenne ich mal Marktlücke. Das Produkt stellt dem Käufer in Aussicht, seine Antidepressiva absetzen zu können. Revolutionär ist das. Psychisch Kranke gehen statt zum Therapeuten zum Friseur oder noch besser, statt in die Apotheke unter die Dusche. Natürlich griff ich zum Penatenprodukt, unterzog mich mutig einem Selbstversuch und was soll ich sagen? Penaten hält, was es verspricht.

Was mich immer wieder nachdenklich stimmt ist, wer sich den Namen Servus für Toilettenpapier ausgedacht hat. Soll jetzt damit zum Ausdruck gebracht werden, dass das Papier bei jedem Gang meinen Hintern begrüßt? Oder verabschiedet sich das einzelne Blatt von seinen Brüdern auf der Rolle? Und wenn ich nach dem Spülen einen Blick in die Schüssel werfe, summe ich das Lied "Sag zum Abschied leise Servus" vor mich hin. Muss wohl ein Österreicher gewesen sein.
27.7.05 21:33
 
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