Dünne Luft
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Schöner fliegen
pooh pooh bee doo!

[I wanna be loved by you]

Seit heute Nachmittag ist es amtlich: Lyssa liest ebenfalls am 16.3.. Genau, DIE Lyssa von der Lounge!
Da hören die Probleme aber nicht auf, da gehen sie erst los. Wenn ich von solch adretten und charismatischen Lesenden umgeben bin, kann ich ja nur abstinken. Da hilft nur eines: Sex sells!
Also habe ich mich heute Nachmittag auf die Suche nach einem passenden Outfit gemacht.

Erst mal stehe ich ein wenig ratlos vor den noblen kleinen Schwabinger Läden, weil man da nirgends sein Fahrrad abstellen darf. Durch die große Scheibe des ersten Ladens, vor dem ich verlegen mein Fahrrad hin- und herschiebe, starren mir zwei wütende Augenpaare zwischen Glitzer und Spitze entgegen. Nach einer Weile fahre ich weiter, denn erstens habe ich den Mut nicht, mich den beiden Drachen in meiner abgerissenen Lieblingsjeans aus New York zu präsentieren und zweitens keine Abstellmöglichkeit für das Radl. Einige Meter weiter der nächste Laden, nicht nach meinem Geschmack. Doch gleich ein paar Schritte weiter bleibe ich an der Auslage hängen. Ein Blick in das weiträumige Innere des Geschäftes präsentiert mir wunderbare Schnitte wunderbarer Stoffe. Ein- oder zweimal hole ich noch tief Luft, bevor ich die Türe öffne. Eine Glocke kündigt mich an. Sogleich steht eine sehr natürlich anmutende Dame oberhalb des Treppenabsatzes, hinter dem sich ihr Atelier verbirgt. Ich darf mich umsehen. Die Stoffe gleiten durch meine Finger, fasziniert von Farbenspielen und Formen vergesse ich Preis- und Größenschildchen. Plötzlich steht sie neben mir, erklärt mit unaufdringlicher Stimme, dass die Stücke nur Prototypen seien und sie vom Eigenentwurf bis zur Änderung auf Wunsch alles selbst macht. Muss man sich mal vorstellen, das ist für eine Frau, die nicht unbedingt den üblichen Konfektionsmaßen entspricht wie ein Sesam öffne dich. Klar passe ich auch in den Stangenkram aber eben nur fast. Da ziept es unterm Arm, lässt Bäuche quellen und Busen quetschen oder hängt wie ein Sack, den man auszustopfen vergessen hat. Noch mag ich nicht nach den Preisen fragen, zu schön ist die Illusion einer maßgefertigten Abendgarderobe. Ich schlüpfe in das erste Kleid, präsentiere mich in einem Kunststück, das nur leicht durch meine schwarzen Socken entfremdet wird, drehe mich vor dem Spiegel und schwuppdiwupp stecken auch schon Nadeln an entsprechenden Stellen. Das Kleid beginnt seine Metamorphose an meinem Körper. Am Ende ist es mein Kleid - fast scheint es, bin ich darin bereits geboren worden. Meine Frage nach konkreten Zahlen stelle ich sehr, sehr leise. Es ist für die Qualität und die Arbeit nicht einmal teuer [psst, das hab ich für die Stimme in meinem Kopf aus der Ratioecke geschrieben]. Dann zücke ich die Kreditkarte, nicht ohne jedoch noch ganz schnell eine Jacke probiert zu haben, die ebenfalls mit eingerechnet wird. Wir unterhalten uns noch eine kleine Weile sehr angeregt. Die Dame hat mich - nicht nur mit ihrer Arbeit - restlos überzeugt. Deswegen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und eine Empfehlung am Ende des Beitrages.

Meine Damen und Herren, Sie werden sich warm anziehen müssen am 16.3., nicht etwa weil es in der Reizbar kalt wäre, sondern weil ich mit Reizen nicht geizen werde. Und wenn ich nicht mindestens einen der männlichen Anwesenden sabbern sehe, dann werde ich das Kleid zurückgeben. Ich glaube allerdings nicht, dass ich mich so schnell davon trennen muss. Marilyn wäre stolz auf mich.

pajas [Ruth Gassner]
Franz-Joseph-Strasse 46
80801 München
21.2.06 19:32
 
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