Dünne Luft
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Schöner fliegen
My way

[Frank Sinatra]

Versuch einer zwidernen Geobiographie

Geboren Rechts der Isar, Eltern Bayern, Demnach durch Geburt und Erbe ebenfalls Bayer. Mutter vermutet Verwechslung mit dem Tierversuchsheim gegenüber. Haarwuchs geht langsam zurück. Mutter kann jetzt sorglos mit mir unter die Menschen. Auf dem Ostfriedhof im Kinderwagen spazieren gefahren worden. Am Nockherberg laufen gelernt. Viele dort gesehen, die wohl erst im Erwachsenenalter laufen lernen. Biernoagerl probiert. Aversion gegen Bier entwickelt. Erste tätliche Angriffe auf Mitmenschen in der St. Bonifaziustraße durch Werfen von Holzspielzeug vom Balkon. Mit dem Onkel lange Spaziergänge vom 60er Stadion zum Trainingslager gemacht. Während des Spiels zu wenig Beachtung bekommen. Aversion gegen Fußball entwickelt.

Zwangsumsiedlung in schwäbisches Exil. Versuch der Wiederherstellung eines Heimatgefühls auf dem Friedhof. Beim Blumenpflücken erwischt worden. Aversion gegen Friedhofsblumen entwickelt.
Erste sportliche Begabungen entdeckt. Skifahren auf dem Acker hinter dem Haus. Aversion gegen Stöcke entwickelt. Kommen selten zum Einsatz. Muttersprachliche Übungen fortan nur noch in eigenen vier Wänden und per Telefon. Lang und gerne telefoniert. Zweitsprachenstudium in schwäbisch. Merkwürdige Sprache. Alles sehr klein. Häusle, Schätzle, Öchsle. Nur weniges größer: Bachl, Seckl, Sparkasse. Einschulung. Briefing der Verwandtschaft, mich bei zufälligem Zusammentreffen auf der Straße nicht anzusprechen, da sonst Integration beim Teufel. Mutter schneiderisch begabt, fertigt jedes Jahr ein Dirndl für mich an. Kann sie nicht davon überzeugen, dass mich das gute Stück im Schrank mehr erfreut als an meinem Körper. Aversion gegen Trachtenmode entwickelt.

Beginn diverser körperlicher Betätigungen, wie Reiten, Handball, Volleyball. Dauerverletzung an Händen und Fingern. Sogar beim Fußball Verletzung der Hand. Aversion gegen jegliche Ball- und Mannschaftssportarten entwickelt. In spätpubertärer Phase Aversion gegen hohe Tiere entwickelt. Beginn der tänzerischen Karriere. In der Blüte der Pubertät auch gleich wieder beendet. Körperbau ähnelt eher dem einer Seekuh, als einer Elfe. Lieber schwimmen gegangen. Beginn erster musikalischer Übungen. Blockflöte, Querflöte und Gesang von Werbejingles. Mutter davon überzeugt, dass Üben nicht nötig sei, da Üben nur für Unbegabte. Geschäftssinn entwickelt. Nachbar beim Klavierspiel umgeblättert. Jeweils 5 Mark kassiert. Nachbar überzeugt Mutter, dass mein Interesse am Klavier gefördert werden müsse. Aversion gegen Pianisten entwickelt.

Weiterführende Schule besucht. Bildung wenig erweitert.
Nur das gelesen, was mich interessiert. Lehrer nicht allzu überzeugend empfunden. Tricks zur Aushebelung von Regeln und zur allgemeinen Erheiterung entwickelt. Lehrer nicht damit überzeugt. Aversion gegen Hierarchien entwickelt.

Studium der Musik in Stuttgart. Professor nicht davon überzeugt, dass Begabung vor Üben geschützt werden müsse. Bücher gelesen, Klavier gespielt, Kommilitonen belehrt. Wenig Aufmerksamkeit dem Hauptfach gewidmet. Lieber neue Sprachen an der Uni gelernt. Von Kommilitonen überholt worden. Aversion gegen Wettbewerb und Studenten der Musik entwickelt.
Diplom abgelegt. Während des Diplomkonzertes auf der Bühne geflucht. Lacher im Publikum. Professoren entsetzt. Zugang zum Aufbaustudium dennoch bekommen, da Professoren überzeugt, dass für eine Bühnenpräsenz Aussehen wichtiger als Können. Affäre mit dem falschen Professor begonnen. Bei der Aufnahmeprüfung in Köln abgelehnt. Aversion gegen Köln entwickelt. Arbeit an bläserischer Technik ohne Instrument begonnen. Aufnahmeprüfung zur Meisterklasse in Stuttgart bestanden. Hauptaufgabe während des Unterrichts: deutsche Übersetzung französischer Zoten. Aversion gegen Franzosen entwickelt. Mit Instrument ziellos in Deutschland und Europa umhergeirrt. Einreise in den Freistaat verweigert.
Nach Stuttgart zurückgekehrt. Mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser gehalten. In die Luft gegangen. In einen Münchner verliebt.
Lebenspartnerzusammenführungsprogramm unterschrieben. Dadurch Greencard für Bayern erworben.
Hiltenspergerstrasse bewohnt.
Entliebt.
Am Friedensengel geweint.
In der Schleissheimer Straße gefroren.
Fahrrad verloren.
In der Reizbar getrunken.
Im Starnberger See Frieden gefunden.
Aversion gegen Männer aus fremden Städten entwickelt.
Durch Schwabing West gezogen.
Vor dem Haus vom Monaco Franze Fahrrad abgestellt.
Auto an der U-Bahn-Haltestelle Freimann abgestellt.
Klavier in der neuen Wohnung abgestellt.
Zeitung abbestellt.
Grabstätte am Ostfriedhof vorbestellt.
Pfiad eich!
17.3.06 17:49
 
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