Dünne Luft
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Schöner fliegen
Pump ya brakes

[Will Smith]

Nach einer harten Landung – sei es die Schuld des Autopiloten oder ein Versehen der Jungs vorne – eröffne ich gerne mal das Gespräch mit der Frage, wer denn den Flieger gelandet hat.
Der so Angesprochene erklärt dann die Gründe, die dazu geführt haben. Meist beende ich die Konversation mit den Worten „dann bin ich ja froh, dass ich heute meinen Sport-BH trage.“

Neuester Sport der Cockpitbesatzung scheint hartes Abbremsen zu sein. Dabei haben sie nur den halben Spaß, den wir haben, wenn uns die Passagiere mit nach vorne gekrümmten Oberkörpern zunicken. Brillenetuis aus der letzten Reihe finden sich herrenlos in der ersten Reihe wieder, manch einer versucht erfolglos, seine Tasche vor dem Absturz zu bewahren oder hält krampfhaft das Laptop dort, wo es aufgrund seines Namens abgelegt wurde. Was ich nie begreifen werde, ist die Leichtsinnigkeit, mit der Passagiere sich anschnallen oder gerade nicht anschnallen. Wer einmal gesehen hat, was mit den Insassen eines Fahrzeugs geschieht, das mit 50Km/h auf eine Betonmauer donnert, wird sich wohl überlegen, wann er seinen Sitzgurt öffnet. Flugzeugbremsen sind um ein vielfaches stärker als die des Autos. Muss der Pilot aus gutem Grund beim Rollen bis zum Stillstand abbremsen, steht man in Sekundenschnelle. Selbst bei langsamem Rollen habe ich einst das Gleichgewicht verloren, als der Kapitän abbremste, da sich der Rampagent noch vor dem Fahrwerk aufhielt. Diese Art Fehler sind menschlich und geschehen immer wieder.

Mit einem Kleinkind unter 2 Jahre würde ich niemals ohne Kindersitz fliegen. Bei einem Startabbruch ist es nicht möglich, das Kind auf dem Schoß zu halten. Auch zusätzliches Anschnallen am eigenen Gurt erwies sich als tödlich für das Kind. Der Erwachsene würde es mit seinem Oberkörper erdrücken. Hierzu gab es bereits Fernsehreportagen. Warum nun Passagiere immer wieder ungehalten reagieren, wenn wir ihre Wünsche bis nach dem Start zurückstellen, da das Flugzeug bereits rollt, kann ich mir nur durch Unbedachtheit erklären. Dabei sind wir durchaus gewillt, für unsere Gäste alles zu tun, was in unserer Macht steht. Nur eines ist wichtiger, als die Zufriedenheit unserer Kunden, und das ist unsere eigene Sicherheit. Würden wir uns beim Rollen verletzen, sind wir nicht versichert. Die Berufsgenossenschaft argumentiert hierbei mit klaren Vorschriften, nach denen während des Rollens nur noch sicherheitsrelevante Aufgaben zu erledigen sind. In einem Fall war die verletzte Kollegin mit einer Zeitschrift unterwegs, als das Flugzeug scharf abbremste. Die von der Versicherung angeschriebenen Passagiere sollten sich zum Vorfall äußern. Eine Aussage lautete sinngemäß, sie sei in diesem Moment so freundlich gewesen, die gewünschte Zeitschrift zu holen, worauf die Versicherung keine Veranlassung sah, die Krankheitskosten zu übernehmen.
Ein sehr leichtsinniger Kapitän argumentierte auf die Information der Purserette, es stünden beim Schieben des Jumbos in die Parkposition bereits Passagiere in den Gängen, im Bus stünden die Leute ja auch. Warum wir damals darüber lachten, lässt sich nur durch unsere Übermüdung nach dem L.A. Nachtflug erklären. In Wirklichkeit verletzt dieser Kapitän fahrlässig seine Pflichten.

Im Grunde ist unbedachtes Verhalten von Passagieren meist ein Indiz für ihr Vertrauen und somit ein gutes Zeichen. Man sollte nicht überängstlich sein aber gesunde Vorsicht hat noch keinem geschadet.

Manchmal wünschte ich, die Piloten würden uns ebenfalls am ein oder anderen inoffiziellen Spaß teilhaben lassen. Ich hoffe sehr, einmal Herrn nff aus dem Nähkästchen plaudern zu lesen.
21.3.06 12:25
 
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