Dünne Luft
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Schöner fliegen
flighttime

Pump ya brakes

[Will Smith]

Nach einer harten Landung – sei es die Schuld des Autopiloten oder ein Versehen der Jungs vorne – eröffne ich gerne mal das Gespräch mit der Frage, wer denn den Flieger gelandet hat.
Der so Angesprochene erklärt dann die Gründe, die dazu geführt haben. Meist beende ich die Konversation mit den Worten „dann bin ich ja froh, dass ich heute meinen Sport-BH trage.“

Neuester Sport der Cockpitbesatzung scheint hartes Abbremsen zu sein. Dabei haben sie nur den halben Spaß, den wir haben, wenn uns die Passagiere mit nach vorne gekrümmten Oberkörpern zunicken. Brillenetuis aus der letzten Reihe finden sich herrenlos in der ersten Reihe wieder, manch einer versucht erfolglos, seine Tasche vor dem Absturz zu bewahren oder hält krampfhaft das Laptop dort, wo es aufgrund seines Namens abgelegt wurde. Was ich nie begreifen werde, ist die Leichtsinnigkeit, mit der Passagiere sich anschnallen oder gerade nicht anschnallen. Wer einmal gesehen hat, was mit den Insassen eines Fahrzeugs geschieht, das mit 50Km/h auf eine Betonmauer donnert, wird sich wohl überlegen, wann er seinen Sitzgurt öffnet. Flugzeugbremsen sind um ein vielfaches stärker als die des Autos. Muss der Pilot aus gutem Grund beim Rollen bis zum Stillstand abbremsen, steht man in Sekundenschnelle. Selbst bei langsamem Rollen habe ich einst das Gleichgewicht verloren, als der Kapitän abbremste, da sich der Rampagent noch vor dem Fahrwerk aufhielt. Diese Art Fehler sind menschlich und geschehen immer wieder.

Mit einem Kleinkind unter 2 Jahre würde ich niemals ohne Kindersitz fliegen. Bei einem Startabbruch ist es nicht möglich, das Kind auf dem Schoß zu halten. Auch zusätzliches Anschnallen am eigenen Gurt erwies sich als tödlich für das Kind. Der Erwachsene würde es mit seinem Oberkörper erdrücken. Hierzu gab es bereits Fernsehreportagen. Warum nun Passagiere immer wieder ungehalten reagieren, wenn wir ihre Wünsche bis nach dem Start zurückstellen, da das Flugzeug bereits rollt, kann ich mir nur durch Unbedachtheit erklären. Dabei sind wir durchaus gewillt, für unsere Gäste alles zu tun, was in unserer Macht steht. Nur eines ist wichtiger, als die Zufriedenheit unserer Kunden, und das ist unsere eigene Sicherheit. Würden wir uns beim Rollen verletzen, sind wir nicht versichert. Die Berufsgenossenschaft argumentiert hierbei mit klaren Vorschriften, nach denen während des Rollens nur noch sicherheitsrelevante Aufgaben zu erledigen sind. In einem Fall war die verletzte Kollegin mit einer Zeitschrift unterwegs, als das Flugzeug scharf abbremste. Die von der Versicherung angeschriebenen Passagiere sollten sich zum Vorfall äußern. Eine Aussage lautete sinngemäß, sie sei in diesem Moment so freundlich gewesen, die gewünschte Zeitschrift zu holen, worauf die Versicherung keine Veranlassung sah, die Krankheitskosten zu übernehmen.
Ein sehr leichtsinniger Kapitän argumentierte auf die Information der Purserette, es stünden beim Schieben des Jumbos in die Parkposition bereits Passagiere in den Gängen, im Bus stünden die Leute ja auch. Warum wir damals darüber lachten, lässt sich nur durch unsere Übermüdung nach dem L.A. Nachtflug erklären. In Wirklichkeit verletzt dieser Kapitän fahrlässig seine Pflichten.

Im Grunde ist unbedachtes Verhalten von Passagieren meist ein Indiz für ihr Vertrauen und somit ein gutes Zeichen. Man sollte nicht überängstlich sein aber gesunde Vorsicht hat noch keinem geschadet.

Manchmal wünschte ich, die Piloten würden uns ebenfalls am ein oder anderen inoffiziellen Spaß teilhaben lassen. Ich hoffe sehr, einmal Herrn nff aus dem Nähkästchen plaudern zu lesen.
21.3.06 12:25


Snot

[snot]
Wer sich – wie ich – ständig zwischen Zeitzonen und Koordinaten bewegt, für den mag so manche Schlagzeile, wie etwa die Vogelgrippe mit ihren aufkommenden Kalauern, ein alter Witz sein und selbst Fasching ist seit heute Schnee von gestern. Dabei hatte ich die absolut zündende Idee für ein unkompliziertes Kostüm. Ich hätte drei Holztigerenten zum Hinterherziehen von schreienden Bälgern entwendet und wäre damit als Konrad Lorenz gegangen. So aber wurde ich über Fasching auf einem Chinaflug mit der harten Realität konfrontiert. Während in Deutschland Katzen an Vogelgrippe sterben, essen Chinesen nämlich wieder unbekümmert Ente. Fraglich, ob sie seit den neuesten Ereignissen Katzen verschmähen. Ein Blick in das benachbarte Europa zeigte, dass sich selbst Franzosen gerne mal die ein oder andere canard enchainé einverleiben. Sie sind einfach fortschrittlicher als wir Deutschen oder eben nur risikofreundlicher.
Der Chinese an sich liebt es, seine Mitmenschen an seinen Körperfunktionen teilhaben zu lassen. Menschliche Gerüche sind für ihn kein Problem. Wahrscheinlich haben die überhaupt keinen Geruchssinn mehr, denn der wurde unter Mao als Luxus deklariert und abgeschafft. Des Weiteren gehört es in China zum guten Ton, zu rülpsen, spucken und rotzen und sich so seiner Körperschleime zu entledigen. Ist auch nicht weiter verwunderlich, denn wo soll man in einer Gesellschaft, in der Taschentücher verpönt sind, mit seinem Rotz anderes hin, als ihn hochzuziehen, um ihn anschließend auszuspucken. Ich mag schon mit vielen menschlichen Regungen durch meinen Beruf vertraut sein, ebenso mit diversen Ausscheidungen, doch trotz allem rufen Schleimfäden, die sich zwischen einer eingesammelten Bierflasche und meinen Fingern ziehen, immer noch Ekel hervor. Wenn ich dann kurz danach das verstopfte Waschbecken einer Toilette von Papier und Spucke befreien muss, um den Abfluss wieder zu reaktivieren, wünschte ich, trotz der dort günstigen Einkaufsmöglichkeiten, nie wieder in dieses Land fliegen zu müssen. Meine chinesische Kollegin tröstete mich daraufhin mit den Worten „you know, the chinese people are just more open minded“. Mag sein, dass das fortschrittlich ist. Ich jedenfalls ziehe diesem Verhalten eine gewisse Verklemmtheit vor.
1.3.06 15:20


Earthquake

[House of Pain ]

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag mit dem Titel ?Tok*o Hotel? ?berschreiben. Aber dann kommen gleich wieder die Vorw?rfe, ich w?re nur besucherzahlengeil. Nein, ich bin ?berzeugt davon, dass Qualit?t sich durchsetzt. Das mag mit meiner deutschen Erziehung zu tun haben. Jedenfalls hat dieses, verglichen mit anderen Blogs, nicht sehr viele t?gliche Besucher aber sie kommen immer wieder und dar?ber freue ich mich ganz besonders. Sp?testens nach der Lesung werde ich sicherlich von Spams ?bersch?ttet. Wenn nicht, bin ich sauer. Zumindest kann ich davon ausgehen, dass ich hinterher sehr vorsichtig sein muss, was Fliegergeschichten angeht, werde ich doch den Schleier der Anonymit?t lichten. Vielleicht er?brigen sich die Fliegergeschichten dann auch ganz, weil sich mein Arbeitgeber als humorlos herausstellt. Dann werde ich einfach selbst?ndiger Blogautor, treibe mich auf Flugh?fen rum und bitte die Leute vor den Automaten um zwei Euro. Ja, zwei Euro, denn die Inflation macht auch vor Bettlern nicht Halt. Doch bevor es soweit ist, hier noch mal ein kleiner Erlebnisbericht aus Tokyo.

Erdbeben in Japan sind so h?ufig wie F?nwetter in M?nchen. Deswegen schaut auch kaum einer mehr auf, sollte mal wieder der feste Boden unter den F??en wackeln. F?r einen Europ?er jedoch gibt auch noch die kleinste Ersch?tterung Anlass zu Verwunderung, Selbstzweifeln und ausf?hrlichem Erlebnisaustausch mit seinen Mitmenschen. W?hrend ich mich in meinem Zimmer der n?chtlichen Bettruhe hingebe, h?re ich ein ?chzen und Knarzen, erst leise, dann immer lauter werdend. Das Bett schwankt, ebenso die Vorh?nge. Schnell wird mir klar, dass nicht eine geringe Menge konsumierter Reiswein daran schuld ist, sondern ein Erdbeben. Ich ?berlege fieberhaft, was nun zu tun sei, springe aus meinem Bett und schl?pfe hastig in die bereitgelegten Kleider und Schuhe. Das Schwanken ist st?rker geworden, auch die Ger?usche der Stahltr?ger haben sich gesteigert und ich greife den Zimmerschl?ssel, sowie eine unter dem Nachttisch bereitgelegte Taschenlampe. Unter den T?rrahmen stellen, kommt mir in den Sinn. Ja klar, w?hrend ?ber und unter mir das Hotelgeb?ude zusammenbricht, schwebt im 22ten Stock unbeirrt ein seiner Grundfeste beraubter T?rrahmen. Ich beschlie?e, sollte dieses Spektakel weiter anhalten oder etwa an St?rke zunehmen, nach unten zu laufen. Die Warnungen an den Aufzugt?ren habe ich bereits bei meiner Ankunft sorgf?ltig gelesen. Da steht, man solle von einer Benutzung w?hrend eines Brandes oder eines Erdbeben absehen. Ich frage mich, was man tun sollte, w?rde einen das Erdbeben im Aufzug erwischen. Immerhin laufen da kleine Filmchen zu Entspannungsmusik. Das hilft bei Panik. Vor meinem inneren Auge ?ffne ich die T?re des Notausganges und stelle erschreckt fest, dass da unz?hlige Treppen vor mir liegen. Bis ich die runtergelaufen bin, ist das Erdbeben vorbei. Also warte ich noch eine Weile. Das Geb?ude bewegt sich immer noch, denn selbst wenn das Beben vorbei ist, schwankt die Konstruktion nach. Im Grunde ist das beruhigend, denn Japaner sind Experten im erbebensicheren Bau von H?usern. Ganz anders die Amerikaner. Die haben von vergangenen Zeiten am San Andreas Graben immer noch nichts gelernt. So sitze ich in meinem Zimmer im 22ten Stock und schwanke gemeinsam mit Bett, Wand und Boden. Ein kluger Kopf hat mal gesagt, man solle das akzeptieren, was man nicht ?ndern kann. In diesem Falle erinnere ich mich an die Aussagen einer Yogalehrerin und gebe mich ganz der Bewegung hin, mit dem Ergebnis, dass ich noch Stunden sp?ter ohne die Unterst?tzung der Erde schwanke. An Schlaf ist n?mlich mit der Menge an Adrenalin im Blut nicht zu denken. N?chstes Mal mach ich einfach durch, dann kann ich wie die Japaner dar?ber lachen, weil mir wegen Trunkenheit von ganz alleine schwankt. Und das muss auch der Grund f?r die ausgelassene Fr?hlichkeit der Eingeborenen sein. Die vertragen n?mlich nie soviel, wie sie zu sich nehmen. Eigentlich vertragen die ?berhaupt nix, sind aber Meister im Ignorieren von unangenehmen Tatsachen. Wahrscheinlich wissen die ?berhaupt nicht, was ein Erdbeben ist und meinen, das w?ren die Folgen vom Alkoholkonsum. Deswegen lacht mich die Empfangsdame an der Rezeption auch so freundlich an, als ich am n?chsten Tag frage, wie stark das Beben war. Sie murmelt was von Promille und w?nscht mir noch einen sch?nen Tag. Und irgendwie scheint mir, sie h?tte ? f?r dieses sonst so dezente Volk ungew?hnlich ? ?bernat?rlich laut gesprochen.
21.2.06 11:52


Talk to me in your own language

[Nirvana ]

Mit den Fremdsprachen ist das ja so eine Sache. K?rzlich war ich in Spanien ? genauer gesagt in Madrid. Da gibt es eine Tageszeitung, die ?el periodico? hei?t was soviel bedeutet wie, dass sie eben regelm??ig erscheint. Eine meiner Kolleginnen, ist, als sie von einem spanischen Gast danach gefragt wurde, sehr hektisch nach vorne gelaufen, um ihm anschlie?end Tampons zu pr?sentieren. So was passiert aber nur, wenn man gewisser Sprachen nicht m?chtig ist. Ich zum Beispiel kann zwar kaum eine Sprache au?er meiner Muttersprache ordentlich sprechen, daf?r verstehe ich eine Menge. Wenn mich folglich mein Chef fragt, warum der Busfahrer denn nun vor dem Hotel abgefahren ist, ohne uns zum Flughafen mitzunehmen, kann ich das zwar nicht ?bersetzen, habe mich aber vorz?glich mit dem Spanier unterhalten. Das l?uft dann unter der Abteilung Empathie. Schlie?lich ist es auch nicht wichtig, alles ?bersetzen zu k?nnen. Was sind schon Worte? Schall und Rauch. Der Busfahrer war jedenfalls gl?cklich, sich verstanden gef?hlt zu haben, ich war gl?cklich, mich in einer Fremdsprache verst?ndlich gemacht zu haben und meine Crew ist gl?cklich, wenn ein neuer Busfahrer mit einer viertelst?ndigen Versp?tung vor dem Hotel eintrifft. Und das ist es, worauf es ankommt: dass man in der Lage ist, Menschen gl?cklich zu machen und vor allem, dass man ihnen das Gef?hl vermittelt, verstanden zu werden. Wer spricht denn in einem Jahr noch von den schlechten Dingen, die einem widerfahren sind? Niemand! Keiner will sich daran erinnern m?ssen. Wir verankern die sch?nen Erlebnisse in unserem Ged?chtnis.

In Zukunft werde ich nur noch in Zungen reden, wie der heilige Geist. Erste Anwandlungen zeigen sich bereits. Wenn mich ein Passagier anspricht, antworte ich in englisch, franz?sisch oder spanisch, manchmal sogar auf griechisch, ohne mir dessen bewusst zu sein. Erst wenn keine Reaktion auf meine Worte folgt merke ich, dass ich f?r diesen Menschen unverst?ndlich gesprochen habe. Deswegen bin ich f?r die Einf?hrung der Sprache des heiligen Geistes, damit wir uns alle verstehen. ?berhaupt k?nnten sich alle Menschen viel besser verstehen, wenn wir ?ber Sprache erhaben w?ren. Es gen?gt doch zu deuten, zu erf?hlen und zu interpretieren. Die einzige Einschr?nkung hierbei w?re, dass alle Menschen Frauen sein m?ssten, damit das auch wirklich funktioniert. Aber wer will schon in einer Welt leben, in der es keine M?nner gibt?
15.2.06 02:23


Stille Wasser

[Klaus Lage]

Wenn ein Gast Wasser m?chte, ist die Frage ?with gas?? auf Tel-Aviv-Fl?gen nicht sonderlich diplomatisch. Deswegen erg?nze ich Wasser generell durch sparkling, lebendig, mit sichtbaren Mineralien oder eben plain, still und tot. Die Bezeichnung tot ist streng genommen ebenfalls unkorrekt, denn nur destilliertes Wasser ist auch totes Wasser. Das interessiert aber kein Schwein, genauso wie es keinen interessiert, was sich im Trinkwasser alles aufh?lt. Da kreuchen und fleuchen die Bakterien, liefern sich erbitterten K?mpfen mit Spurenelementen und Mineralstoffen und am Ende sterben sie an ?berhitzung. Nur weil sie tot sind, hei?t das aber noch lange nicht, dass sie auch aus dem Wasser verschwinden. Ich glaube nicht, dass bei der Herstellung von stillem Wasser einer am Band sitzt und die toten Bakterien rauspickt, sonst w?re es auch viel teurer. Um so ein totes Bakterium zu identifizieren braucht man n?mlich eine gute Ausbildung. Ein Hilfsarbeiter aus dem Ostblock w?rde vermutlich statt der Bakterien die NaCl-Ionen erwischen und dann ist Schluss mit lustig. Dann kann man davon trinken, soviel man will, man reichert seinen Salzhaushalt nicht mehr an. So ein Spitzensportler verdampft schon locker seine 5 Liter w?hrend des Trainings. Jetzt m?sste er die Salzkruste von seiner Haut abkratzen und die ins Wasser mischen. Das macht aber keiner, weil dann das Wasser nach Schwei? schmeckt und nicht nach nichts. Merkw?rdig, da gibt es Leute, die geben eine Menge Kohle f?r etwas aus, das nach nichts schmeckt. Sie schleppen kistenweise Volvic, Evian oder Pellegrino heim, obwohl ich ziemlich sicher bin, dass in ihrer Behausung flie?endes Wasser vorhanden ist. Die Flaschen scheinen ein neues Statussymbol zu sein. Jedenfalls sehe ich ?berall Menschen mit Wasserflaschen rumlaufen. Wo sie stehen und gehen wird die Flasche gez?ckt und ihr geschmacklose Fl?ssigkeit entzogen. Seit einiger Zeit gibt es sogar Schnulleraufs?tze f?r die Flaschen. Dann h?ngen die Damen der High Society am Nuckel und zuzeln ?u?erst unelegant daran. M?glich, dass dieses Verhalten Teil des Balzrituals ist. Ich kenne mich da nicht so gut aus. Gibt es denn M?nner, die auf so was stehen? Und was trinken die Herren? Etwa Hirschquelle, das sogenannte Brunftwasser?
Da mag ich lieber Sprudel. Der kitzelt die Nase und trinken muss ich auch nicht so viel davon, weil die Luft darin meinen Magen f?llt. Wenn jetzt Magers?chtige in Orangensaft getr?nkte Watteb?usche essen, um nicht zuzunehmen, k?nnten sie den Saft durch Sprudel ersetzen, weil Luft ja praktisch fast keine Kalorien hat. Nur mit den Schwermetallen muss man ein wenig aufpassen. Die schlagen sich bei mir derma?en auf der Digitalanzeige meiner Waage nieder, dass es nicht mehr feierlich ist. Au?erdem piepsen die beim passieren der Sicherheitskontrollen. Da kann man dann ausziehen, was man will, die Dame mit dem Laserschwert mag einfach nicht glauben, dass am Gefiepe nur die Schwermetalle schuld sind. Sch?n bl?d, wo ich?s ihr doch gesagt hab. Aber ein bisserl Spa? m?chte die halt auch haben. Lass ich mich eben im Namen der N?chstenliebe begrapschen.
11.2.06 11:37


Ein riesengroßes Fettmolekül

Fettes Brot

Sabine Christiansen, sitzt in der Maschine. Das muss man sich mal vorstellen. DIE Sabine Christiansen! Ich meine, wir kennen sie doch alle aus dem Fernsehen und aus der Boulevardpresse. Wer von uns ist nicht schon mal zu ihrer sonoren Stimme w?hrend der Tagesthemen sanft eingeschlummert? Wer hat nicht mit Interesse das Kanzlerduell verfolgt, bei dem sie als Einzige von vieren kompetente und sinnige Fragen stellte? Ich w?rde sie gerne ansprechen, mit ihr einige private Worte tauschen. Dann erinnere ich mich wieder an meine Rolle als Servicepersonal. Immer im Hintergrund, nie aufdringlich. Promis haben es in der ?ffentlichkeit schwer genug. Das Teufelchen in mir gibt sich damit jedoch nicht geschlagen. Fragt sich nur, wie ich das Gespr?ch er?ffnen soll. ?Ich finde Sie toll!? ist viel zu plump, h?rt sie wahrscheinlich tausendmal. Man will sich ja von der breiten Masse und dem Flugbunnyklischee abheben. ?Wer denkt sich ihre Fragen aus?? klingt so, als ob ich ihr nichts zutraue. ?Ich habe lange ?ber ihre Frage nachgedacht...? ist eine L?ge. ?Wie ist denn der Schr?der so als Mensch?? bedeutet, dass ich mich mehr f?r den Schr?der als f?r sie interessiere und ist somit nicht besonders nett. Zwischendurch muss ich an die Schwierigkeiten ihres Berufes denken. Schlie?lich fasse ich mir ein Herz, gehe in die Kabine, stelle mich neben ihren Sitzplatz. Sie liest Zeitung, bemerkt mich nicht. Ich r?uspere mich. Sie bemerkt mich immer noch nicht. Schlie?liche erhebe ich meine Stimme: ?Frau Berghoff, darf ich Ihnen meine Bewunderung aussprechen?? Nonchalant ?bergeht Sie meinen faux pas und bedankt sich f?r meine ergreifenden Worte. Minuten sp?ter suche ich im gesamten Flugzeug erfolglos nach einem Fallschirm.

Nachtrag: erst nach Lekt?re einschl?giger Bildmagazine konnten meine Kollegin und ich auch die Promis, die gegen?ber von Frau Christiansen sa?en identifizieren. Da sieht man mal wieder, dass Gala und Bunte f?r die Bildung unabdingbar sind.
4.2.06 09:18


Steamed hot towel on my face

Obwohl die Branche schon relativ alt ist, gibt es offenbar immer noch offene Fragen in der modernen Luftfahrt. Auf Wunsch eines einzelnen Lesers hier nun eine dieser Fragen: was macht man mit diesen hei?en T?chern, die auf Langstrecke vor dem Service ausgeteilt werden?
Zun?chst einmal erwartet der Passagier, der sich auf Reisen begibt und zu diesem Zweck ein teures Flugticket erwirbt, etwas zu bekommen. Jeder erhaltene Gegenstand rechtfertigt f?r ihn den Preis, den er bezahlt hat. Nachdem nun im Bereich der verzehrbaren Gegenst?nde in den letzten Jahren erheblich eingespart wurde, scheint es eigenartig, dass die T?cher noch immer angeboten werden. Macht aber wirtschaftlich gesehen wiederum Sinn, denn w?hrend Sektflaschen und Schokoherzen im Einkauf wesentlich teurer sind als billige Papiert?cher, haben letztere auch noch den Vorteil, dass sie leichter zu handhaben sind. Man kann sie herunterwerfen, sie auf die Kleidung legen oder sie dem Nebensitzer unter den Arm schmuggeln, der gerade auf der hei? umk?mpften Armlehne weilt, ohne dass h?ssliche Verunreinigungen zur?ckbleiben, wie dies bei umgekippten Getr?nken der Fall w?re.

W?hrend Flugbegleiter mit Zangen dem Gast eines der T?cher darbieten, hat jener eine der seltenen M?glichkeiten, einem fachkompetenten Mitarbeiter Fragen zu stellen. Da der durchschnittliche Passagier mit seinem Sitznachbarn eher selten ins Gespr?ch kommt ? was wiederum ein weiterer Beweis f?r soziale Inkompetenz in der Bev?lkerung ist ? richtet er doch immer wieder gerne das Wort an die Mitarbeiter. M?glicherweise gibt es sehr viele Menschen, die das Schweigen verlernt haben. M?glicherweise liegt es auch daran, dass manch einer den Wald vor lauter B?umen nicht sieht. Begehrt wird immer das Unerreichbare. Selbst wenn neben ihm Claudia Schiffer s??e, h?tte der durchschnittliche Passagier doch nur Augen f?r den Ausschnitt der Kollegin, die ihm nach vorne gebeugt ein Getr?nk reicht. Nachdem der Passagier nun aus unruhigen Tr?umen erwacht, in denen m?glicherweise auch die Kollegin eine nicht ganz jugendfreie Rolle spielte, und selbige ein hei?es Tuch schwenkend vor sich sieht, f?hlt er sich f?rmlich gezwungen, die Gelegenheit zu nutzen. Da wir alle wissen, wie schwer sich der moderne Mann in der Kontaktaufnahme zum weiblichen Geschlecht tut ? nicht umsonst gibt es wachsenden Zulauf bei Internetpartnerb?rsen ? wird sein erster Satz des Humors entbehren. Was folgt, ist die Frage nach seinem Anschlussflug, f?r den die Kollegin zu diesem Zeitpunkt noch keine Antwort hat. Nach einigen Minuten wird sich unser Beispielpassagier ob seiner durch Humorlosigkeit verspielten Chance ?rgern, doch die Kollegin ist bereits mehrere Reihen entfernt.

Noch nicht gekl?rt ist allerdings die Frage nach der Funktion der T?cher. Dies steht dem einzelnen Gast v?llig frei. Manch einer packt das Ding in sein Handgep?ck, um es zu Hause als Putz-, Sp?l- oder Waschlappen zu benutzen. Fragt man solche G?ste, ob Sie einen Weiterflug gebucht haben, h?rt man h?ufig, ihr Endziel sei Stuttgart oder Aberdeen. Ist man besonders geh?ssig, kann man dann noch beil?ufig hinzuf?gen, dass dort die Zollkontrollen besonders scharf seien und Passagiere, die entwendetes Eigentum der Fluggesellschaft im Handgep?ck mitf?hrten, sofort der Polizei ?bergeben w?rden. Sobald man aus dem Blickfeld der G?ste verschwunden ist, kramen diese eifrig in Taschen und T?ten, um Besteck zum Vorschein zu bringen, das sie anschlie?end in Sitztaschen verschwinden lassen.

Andere G?ste nehmen die T?cher in Empfang und beobachten Umsitzende, da sie sich selbst nicht sicher sind, was sie damit machen sollen. Da die T?cher hei? sind ? manchmal auch nur lauwarm ? und diese Erkenntnis sofort nach Empfang vom zentralen Nervensystem an das Gehirn gesendet wird, beginnt der Gast, das Tuch von einer Hand in die andere zu werfen. Das macht er so lange, bis die Bewegung in eine Art H?ndereiben ?bergeht und schlie?lich die Handfl?chen damit gereinigt werden. So haben wir wieder einen Beweis f?r immerw?hrende Evolution ausgel?st durch ?bersprunghandlungen. W?hrend der Affe lernte, Werkzeuge zur Nahrungsaufarbeitung zu benutzen, lernt der Passagier, dass er seine H?nde mit einem kleinen hei?en T?chlein reinigen kann. Der N?chstsitzende braucht dann nicht einmal den ganzen Lernprozess durch Nervenreizung zu durchlaufen, sondern nutzt die Nachahmung. Manch einer ist sowohl gegen Nachahmung, als auch gegen Lernen immun. Er wird sich eine andere M?glichkeit der Nutzung aussuchen. Falls Sie das Tuch als Hakle-Feucht-Ersatz verwenden, bitten wir Sie allerdings, dieses nicht beim Einsammeln zur?ckzugeben, sondern es selbst?ndig zu entsorgen. Entgegen der irrt?mlichen Meinung mancher Passagiere werden sie nicht gewaschen und wiederverwendet, sondern weggeworfen. Dennoch sammeln wir die T?cher wieder ein, um den Passagier aufgrund beengter Sitzverh?ltnisse von ?bersch?ssigem zu befreien.

Japanische G?ste verleihen ihrer Kreativit?t Ausdruck, indem sie die T?chlein in reizende Origamigebilde verwandeln. Inder schaffen es ob der Gr??e der T?cher erstaunlicherweise, damit den gesamten K?rper von Schwei? zu befreien. Afrikaner bitten um mehrere T?cher, die dann dort auf dem Schwarzmarkt wieder auftauchen. Chinesen haben keine Verwendung daf?r und lehnen das Tuch meist dankend ab. Nordamerikaner be?ugen die T?cher misstrauisch und suchen den Warnaufdruck, w?hrend S?damerikaner damit wild um sich werfen. Russen s?ubern damit ihre Geldscheine, die sie dick gestapelt mit sich f?hren und Skandinavier stecken sie in ihre Handschuhe, um die aufzuw?rmen. Einzig die Deutschen scheinen ein wenig ?berfordert von der Entscheidung, was sie damit machen sollen. Lassen Sie doch mal ihrer Phantasie freien Lauf. Sie werden sehen, es geschehen da erstaunliche Dinge.

12.1.06 21:46


Von 90 beladenen Koffern, war der gesuchte Nummer 87, der wieder entladen werden musste. Das nenne ich nicht Murphy?s law, das nenne ich Gl?ck. H?tte ja auch Nummer 90 sein k?nnen.
11.1.06 11:57


Looking back

Der Komponist Anton von Webern liebte Bergwanderungen. Als er eines Abends nach der ?berquerung eines Schneefeldes die H?tte erreichte, wurde ihm zugetragen, es h?tte sich dort ein Schneebrett gel?st. Auf einen Schlag wurde ihm die komplette Tragweite dieser Begebenheit bewusst. Das Ereignis musste kurz nachdem er die besagte Stelle passierte geschehen sein. Pl?tzlich waren Leben und Tod sehr nahe beieinander. Nach seiner R?ckkehr berichtete er davon seinem verehrten Lehrer und Mentor Arnold Sch?nberg davon. Dieser begriff nicht, was sein Sch?ler damit ausdr?cken wollte. In einer Biographie ?ber Anton von Webern las ich vor etwa 15 Jahren davon. Es war eine der Passagen, die mir im Ged?chtnis geblieben sind, da sie auch bei mir einen gro?en Eindruck hinterlie?en. Leider kann ich sie nur sinngem?? wiedergeben.
?berhaupt geschahen in Anton von Weberns Leben sehr seltsame Dinge. Gestorben ist er an einer einzigen Zigarre. Seinem Enkelkind zuliebe z?ndete er sie drau?en vor dem Haus in Wien an. Als ein amerikanischer Besatzungssoldat den Feuerschein sah und von Webern auf dessen Zuruf nicht reagierte, scho? der Soldat und verwundete den Komponisten t?dlich am Ende eines schrecklichen Krieges, den er bis zu diesem Zeitpunkt unbeschadet ?berstanden hatte.

Eigentlich h?tte ich heute gerne Lustigeres zum Besten gegeben. Doch heute war ich zum dritten Mal *) unfreiwillig Beteiligte bei einer Fastkollision zweier Flugzeuge nach ?berlingen-Manier. Das Bodenpersonal war wieder einmal vom Verkehrsaufkommen ?berfordert. Wenn zwei Flugzeuge aufeinander zurasen, bleiben beiden nur etwa 40 Sekunden, um den Kurs zu korrigieren. Damals in ?berlingen hat der Pilot den Instruktionen des Bordcomputers weniger vertraut als seiner eigenen Einsch?tzung. Er entschied sich f?r die falsche Richtung.
Das Ausweichman?ver selbst f?hlt sich zwar merkw?rdig in der Kabine an, doch was wirklich geschah, erf?hrt man erst hinterher. Das Begreifen der Tragweite einer Situation setzt augenblicklich ein, ?berw?ltigt und l?sst Knie weich werden.
Manches Mal ist es besser, nicht jederzeit alles zu wissen. Vielleicht werde ich ja morgen von einem Lastwagen ?berfahren.


*) dem mitfliegenden Kollegen ist das bereits zweimal passiert.
Weitere Kollegen berichten in erschreckend regelm??igen Abst?nden von ?hnlichen Erlebnissen.

11.1.06 02:32


King Kong in Hong Kong

Hongkong liegt mir zu F??en, zumindest wenn ich aus dem gro?en Panoramafenster meines Zimmers im 26ten Stockwerk schaue. Glitzernde Punkte und Leuchtreklame, die den Wolkenkratzern aus dem Dunkel ihre Silhouette geben. Dazwischen sich bewegendes Farbenspiel, Lichtkegel, die verg?ngliche Figuren in den Nachthimmel zeichnen. Das sich auf dem Wasser kr?uselnde Licht. Die F?hren teilen es ger?uschlos. Kleine Punkte, die ihren Weg ?ber die Wasseroberfl?che suchen. Im Bauch die Menschen, die der Stadt ihr Leben geben. Ein gigantischer Anblick, ganz f?r mich alleine. Diese Stadt, die viel mehr ist als nur Metropole. Eingeh?llt in einen geheimnisvollen Dunstschleier, kann man die gr?nen H?gel erahnen, die einst als Wohnst?tte der Drachen galt. Noch heute wird durchsichtig gebaut, ja oft sogar mit scheinbar sinnlosen Aussparungen in Fassaden, um ihnen den Blick auf das Meer nicht zu verwehren und sie so sanftm?tig zu stimmen. Ein moderner Nachk?mmling der alten Drachen ? der Bussard - kreist vor meinem Fenster. Er f?hrt auf den Luftschichten, als w?ren sie befestigte Serpentinen, gleitet ohne jegliche Anstrengung von einer zur n?chsten. Unter ihm bilden Menschen Ameisenpfade, Spielzeugautos werden von Geisterhand auf den Stra?en vorangeschoben. Wie fremd schien mir all das, als ich zum ersten Mal eintauchte. Fremd und gleichzeitig faszinierend. Heute f?hle ich mich wie ein kleiner Gott, der das rege Treiben von oben betrachtet.

mehr zur gro?en Stadt
6.1.06 15:05


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