Dünne Luft
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Schöner fliegen
clever shit

Scars of wisdom

Es ist einfacher, etwas zu tun,
als etwas zu lassen.
23.2.06 00:41


Bread and butter

[the newbeats)]

In der neuen Ausgabe der [insert any name of women?s magazine]:
Wie er sein Brot streicht, so ist er im Bett

1. Der Ungeduldige

Er schneidet die Butter in gro?en St?cken ab, verteilt sie ungleichm??ig auf der Brotoberfl?che und schert sich nicht um das Streichen. Danach wirft er achtlos einige Scheiben Wurst oder K?se drauf und bei?t herzhaft hinein.

Dieser Mann ist als Liebhaber ungeeignet, denn sein einziges Interesse gilt seinem eigenen H?hepunkt. Dabei nimmt er in Kauf, dass sie nicht auf ihre Kosten kommen.

2. Der Pedant

Er streicht Butter hauchd?nn, indem er sie mit der Messerkante vom Block durch Schaben abnimmt. Anschlie?end verteilt er sie zeremoniell anmutend gleichm??ig auf der Brotoberfl?che. Dieser Vorgang kann einige Stunden in Anspruch nehmen. Die Brotauflage ist entweder ein- oder mehrschichtig, es wird jedoch genau darauf geachtet, dass sie nirgends durch ?berlappung versehentlich dicker ist. Dann beginnt er, vorsichtig die Brotrinde abzuknabbern.

Mit diesem Typ Mann werden sie sich schnell einig. Er achtet auf Gleichberechtigung und wird sich an die Spielregeln halten. Was sie allerdings nicht erwarten d?rfen, sind ?berraschungen oder ungez?hmte Leidenschaft, geschweige denn ein H?hepunkt.

3. Die Sportskanone

Er hat Butter in kleinen abgepackten Dosen im K?hlschrank bereit. Als Unterlage kommt nur Vollkorn- Mehrkorn- oder Kn?ckebrot in Frage. Die Butter wird darauf d?nn verteilt, der Aufstrich besteht meist aus Frischk?se Magerstufe oder Du-Darfst-Wurst. Danach schneidet er das fertige Produkt in essbare H?ppchen und nimmt sie zwischen Sit-ups oder Liegest?tzen zu sich.

Machen sie sich auf anstrengenden Sex gefasst. Dieser Typ hat n?mlich nichts mit Genu? am Hut. Alle f?nf Minuten wird er sie in eine neue Position r?cken, sie mit seinen St??en nach oben schieben, bis ihr Kopf rhythmisch gegen die Wand donnert - vorausgesetzt, sie haben zwischen all den Stand- und Kniepositionen einmal das Gl?ck, auf dem R?cken zu weilen - um sie anschlie?end einh?ndig ?ber die Schulter zu werfen und ihnen kopf?ber seinen Schwanz vor den schwarzwerdenden Augen zu pr?sentieren. Selbst wenn sie alle G?tter anflehen, er m?ge doch bald kommen, wird ihnen das nicht viel n?tzen, denn ein Sportficker ist sehr, sehr ausdauernd. Er geht davon aus, der Traum aller unbefriedigten weiblichen Lebewesen zu sein. Zu dieser ?berzeugung ist er durch eingehendes Studium einschl?giger M?nnermagazine gelangt.

4. Der Asket

Er mag keine Butter, weswegen er meist darauf verzichtet. Das trockene Brot belegt er achtlos mit einigen Scheiben irgendwas. Eigentlich mag er ?berhaupt kein belegtes Brot. Ein z?nftiger Schweinsbraten w?re ihm lieber.

H?ten sie sich vor diesem Typ, denn alles, was er m?chte, ist die schnelle Nummer, Sex um des Sexes willen, one night stands oder Gelegenheitssex. Den hat er allerdings genauso regelm??ig, wie er i?t. Meist weigert er sich, Kondome zu verwenden, redet sich mit Allergien oder Impotenz aus der Aff?re. Doch im Grunde verbirgt sich dahinter die alte Kastrationsangst. Frauen sind f?r ihn nur Mittel zum Zweck und genau so behandelt er sie auch.

5. Der Genie?er

Er beginnt das Zeremoniell, indem er den Tisch deckt, alle ben?tigten Utensilien und Lebensmittel darauf nach Feng-Shui Richtlinien anordnet und eine Kerze entz?ndet. Dann nimmt er das eigens hierf?r gekaufte Buttermesser, um damit liebevoll den in weiser Voraussicht vor einer Stunde aus dem K?hlschrank entnommenen und jetzt weichgewordenen Butterblock zu bearbeiten. Er tut dies so sanft, so liebevoll und dennoch effizient, dass es eine wahre Lust ist, ihm dabei zuzusehen. Schlie?lich darf die Butter dabei nicht zerst?rt werden. Sie muss auch danach noch seinen hohen ?sthetischen Anforderungen gen?gen. Seine Brotauflage wird sorgsam der Brotoberfl?che mittels zurechtschneiden angepasst, damit kein R?ndchen ?berlappt. Danach belegt der Genie?er noch einige Scheiben hauchd?nner Essigg?rkchen oder Cocktailtom?tchen mit einem Basilikumblatt, das er eigens hierf?r aus seiner Kr?uterz?chtung auserw?hlt hat. Alternativ geht auch Petersilie, doch nur die ganz fein gewachsene kommt daf?r in Frage. Sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind, kostet er durch sanftes Zerkauen sein Kunstwerk begleitet von zarten Kl?ngen klassischer Hintergrundsmusik. Zum Verzehr eines Brotes braucht er ein bis zwei Stunden.

Meine Damen, dieser Typ Mann ist entweder schwul oder Schauspieler, der gerade das Rollenstudium f?r eine Courts-Mahler-Verfilmung aufgenommen hat. Tr?umen sie ruhig weiter. Falls sie jedoch nicht nur von Sex tr?umen, sondern auch aktiv daran teilnehmen wollen, suchen sie sich am Besten eine Freundin.

Wir hoffen, sie durch unsere Psychotestreihe "Der Mann im Alltag, der Mann im Bett" ?berzeugt zu haben. Schreiben sie uns ihre Erfahrungen und gewinnen sie ein Abonnement.
19.2.06 19:26


It's just the poor's brain washing

[Bob Marley]

Cliff Young war 30 Jahre ?lter, als der ?lteste Teilnehmer des Ultramarathons 1982 von Sydney nach Melbourne ( zwischen 850 und 1000Km). Ein durchschnittlicher Teilnehmer trainiert, indem er 18 Stunden pro Tag l?uft, 1 Stunde isst, 1 Stunde massiert wird und vier Stunden schl?ft. Young schlief im Schnitt eine Stunde und h?ngte seine Mitstreiter bereits nach dem ersten Tag ab. Sein Motto lautete: Ich glaube nur an die Grenzen, die ich selbst getestet habe.

Ich muss zugeben, generell offen f?r solche Experimente zu sein. So habe ich ein halbes Jahr nicht mehr als 4 Stunden pro Nacht geschlafen. Mein Motto lautete: wer ?berzeugt davon ist, 8 Stunden Schlaf pro Nacht zu brauchen, um ausgeruht zu sein, der braucht sie auch. Ich f?hlte mich weder m?de, noch zu ?berdreht. Damit war mein Selbstexperiment beendet. Wir programmieren unser Gehirn und unseren K?rper mit ?berzeugungen, nach denen wir funktionieren. Nicht verwunderlich, wenn wir die Ergebnisse erhalten, die wir selbst erwarten.

Manches Mal tut eine W?sche des Gehirnes ganz gut.
8.2.06 22:19


Fangfragen

Was objektiv die Wahrheit sei, bleibt schwer genug auszumachen, aber im Umgang mit Menschen soll man davon sich nicht terrorisieren lassen.
[Th.W.Adorno, Minima Moralia]



Manche Menschen verschwenden ihr Leben damit, das eines anderen zu leben. Sie beschäftigen sich andauernd mit ihrem Gegenüber, zermartern sich das Hirn, was wohl die Wahrheit sei und sind sich dabei doch unglaublich sicher, dass es die ihrige sei, die alleine Bestand hat. Während Wahrheit, die sich mit dieser Art von Sicherheit verbündet, nichts anderes als Einbildung ist. Und dann stehen sie irgendwo in dunklen Ecken, lauern und warten. Warten darauf, ihre sogenannte Wahrheit bestätigt zu sehen, lechzen nach Belegen, um ihre marode Konstruktion vor dem Zusammenbruch zu schützen. Mit nichts sind Menschen mehr beschäftigt, als sich von ihrem Inneren abzulenken.
Wer eine vorgefasste Meinung mit solcher Starrsinnigkeit verteidigt, dem gehört es nicht anders, als Bestätigung zu bekommen, denn nur die wird er wahrnehmen. Wer das Leben eines anderen lebt, hat viel zu verbergen. Dumm nur, das dieses Leben so endlich ist und so schnell vorbei. Ich möchte nicht in der Haut derer stecken, die sich eingestehen müssen, nur durch andere gelebt zu haben, nicht aber sich selbst. Wer sich selbst nicht wahrnehmen kann, weil es zu bedrohlich wäre, zu viel Angst macht, zu wenig gäbe, um es lange betrachten zu können, sollte wenigstens anderen diese Fähigkeit nicht streitig machen. Der soll nicht anderen Verletzungen zufügen, die für sich selbst gedacht sind, um sich zu spüren, denn das Einzige, was er dann zu spüren bekommt, ist ein kurzes Aufflackern, ein Pyrrhussieg, der wie ein Abhängiger ständig nach neuen Drogen schreit.
25.1.06 12:09


Thanks for the memory

Die Idee, alte Tageb?cher zu lesen, fand ich witzig. Also habe ich auch gleich mal meine von vor 20 Jahren herausgekramt und darin gebl?ttert. Au Backe, dachte ich, das kann man keinem erz?hlen. Die besten Eintr?ge waren noch die:
Irgendwie ist im Film immer alles so sch?n einfach. Und alle sehen toll aus.
und
Langeweile ist doof, da hat man so viel Zeit, sich selbst zu bemitleiden.

Ansonsten sind die unz?hligen Zeilen inhaltlich schwach, beraubt man sie beim Lesen des emotionalen ?berschwanges dazwischen. Seitenweise Berichte ?ber Erlebnisse, die zum damaligen Augenblick weltbewegend schienen. Aber damals habe ich ja auch noch Tesa quer ?ber die Ecken meiner Poster geklebt, um sie zu schonen. ?berhaupt schien damals jedes Ereignis weltbewegend, weil die Erfahrung der Wiederholung fehlte. Manch einer wiederholt sich selbst nach 20 Jahren noch, weil die Erinnerung fehlt.
23.11.05 20:19


Mit 66 Jahren...

?ber?s ?lterwerden im Allgemeinen wird sich ja viel ge?u?ert. Dass das ein ganz ein scheinheiliger Gauner ist, der Herr Verfall, der einen hinterh?ltig und kaltschn?uzig erwischt, das sag ich Ihnen. Der feine Herr arbeitet n?mlich mit einer ganz miesen Masche. Seine Waffe ist die Zeit. Die ist immer auf seiner Seite und da gibt?s kein Auskommen. Jeden erwischt er ?ber kurz oder lang, selbst die, die sich mit allen Mitteln wehren, die meinen, sie k?nnten ihn mit gesunder Ern?hrung, Sport und k?nstlichen Nachbesserungsarbeiten am K?rper austricksen. Da hilft auch keine Verdr?ngung. Er hat den l?ngeren Atem. Au?erdem arbeitet er mit so unterschwelligen L?gen, denen sich auch Kommunikationstrainings bedienen, mit Manipulation. ?Ja?, sagt er, ?selbstverst?ndlich k?nnen wir verhandeln? und insgeheim vermittelt er einem das Gef?hl des Sieges. Aber dann schl?gt er zu, wenn man am wenigsten darauf gefasst ist. Ein bekanntes Lied im Radio, das vom Moderator als Oldie deklariert wird, die M?digkeit nach einer durchzechten Nacht, eine Einladung zum Klassentreffen aufgrund des vor 20 Jahren gemeinschaftlich erlangten Schulabschlusses oder ein junges B?rschchen, das einen siezt und einem versucht, sein Interesse an erfahrenen Frauen glaubhaft zu machen.

?berhaupt spielt der Herr Verfall gerne mit positiven Assoziationen, mit Worten wie Weisheit, Gelassenheit und Reife, damit ja keiner misstrauisch wird. Wart nur ab, Du Schlaumeier, jedem werde ich es sagen, der es h?ren will oder auch nicht. In die Welt hinausschreien werde ich es und dann bist Du entlarvt, dann geht es Dir an den Kragen! Weil mit Dir habe ich schon lange ein H?hnchen zu rupfen, Du sauberer Herr Du! Weil solange ich noch rufe, habe ich noch immer etwas von diesem pubert?ren Prinzipientum, von dem Gef?hl, die Welt revolutionieren zu k?nnen, in meinen Altersstarrsinn hin?bergerettet. Und in den Spiegel schauen werde ich, lang und h?ufig. Hast schon recht geh?rt. Jeden Tag werde ich hineinschauen, meine Falten anschauen und die Haarfarbe. Dann kannst Du mir nichts mehr anhaben, weil ich es selbst sehe. Da braucht nicht so einer wie Du daherkommen, um mir eines Tages mit einem s?ffisanten L?cheln sagen ?rien ne va plus, das Spiel ist aus!? dann erz?hlst Du mir nichts Neues. Ich sag?s Dir, so einer wie Du, der erwischt mich nicht so hinterfotzig, dem bin ich ?berlegen, weil ich ihn genau beobachte. Und jetzt schleich Dich!


Heute ein Anruf von meiner Oma. Die sind in letzter Zeit noch weniger erfreulich als sonst. Sie hat seit einem dreiviertel Jahr Krebs und muss morgen schon wieder in?s Krankenhaus. Aber sie beklagt sich nicht, sagt nur, sie sei schlie?lich schon 84 und dass man da nix mehr zu erwarten h?tte. Wie grausam muss das sein, wenn man immer ?lter wird und die Tatsache des eigenen Todes so unverr?ckbar vor sich sieht?
Nicht nur einmal habe ich das miterlebt, nicht nur einmal das Sterben beobachtet. Jetzt wissen Sie, warum ich heute so sauer bin.
14.11.05 01:46


Lean on me

Wir sagen ?Ber?hre mich aber fass mich daf?r nicht an?.
Wir tragen das Willkommensschild vor uns und installieren gleichzeitig Selbstschussanlagen.
Die gr??te Angst haben wir vor dem, was wir am meisten Ersehnen.
Wir schieben die Schuld auf Umst?nde, Schicksal oder Zeit, damit wir keine Verantwortung ?bernehmen m?ssen.
Was w?rde von uns ?brig bleiben, wenn wir uns entbl??en, wenn wir F?higkeiten, Talente, Errungenschaften und ?u?erlichkeiten ablegen wie Kleider?
Das Eigentliche w?rde ?brig bleiben, der Kern, das nackte Ich.
Daf?r haben wir keine Zeit, keinen Mut, keine Geduld.
Dabei ist es das Wichtigste, was wir besitzen. Merkw?rdig, dass wir anderes f?r so viel wichtiger halten.
Lieber halten wir uns krampfhaft an alten Glaubenss?tzen fest, die wir immer wieder neu einbetonieren, ohne Sie auf ihre G?ltigkeit zu ?berpr?fen.

Noch nie gab es mehr Menschen mit Angst vor N?he und gleichzeitig so viel Einsamkeit.
Noch nie gab es mehr Varianten, uns das Gegen?ber vom Leib zu halten, das wir so dringend br?uchten.

DAS IST ECHTE SCHIZOPHRENIE
26.10.05 21:29


Miss Otis regrets (she´s unable to lunch today)

Gedanken zum Tod ? was bleibt zu sagen?

Was gibt es schon zu sagen zum Tod, was noch nicht gesagt ist. Es gibt keinen einzigen Gedanken, der neu ist, denn der Tod ist so alt wie das Leben. Einer verliert seine Eltern, seine Gro?eltern oder Geschwister, ein anderer seinen Freund, sein Kind oder seinen Lebenspartner. Und jedes Mal ist da diese unendliche Traurigkeit, die Leere und gleichzeitig die Wut ?ber eine als zuf?llig empfundene Ungerechtigkeit.

Der Zur?ckgebliebene wird zun?chst noch mit guten W?nschen oder gar mit praktischer Hilfe unterst?tzt. Dann kommt die Zeit, in der die Anrufe und Besuche seltener werden, schlie?lich fallen sie ganz weg. Jeder kehrt zu einem Alltag zur?ck, der von Routine und Wiederholung bestimmt wird. Doch f?r den, aus dessen Herz ein St?ck Leben gerissen wurde, gibt es noch keine Kontinuit?t, denn was k?nnte so weiterlaufen wie bisher, wenn sich dieses Bisher so drastisch ver?ndert hat.

Es sind die Fragen, die bleiben. Fragen nach dem Sinn, Fragen nach dem Leben und mit diesen Fragen kommt die Einsamkeit, denn keiner kann sie beantworten. Im Angesicht des Todes wird uns die eigene Verg?nglichkeit bewusst.

Was kann ein Leben, wie es millionenfach existiert schon hinterlassen? Das Streben nach Sinnhaftigkeit hat in der Geschichte der Menschheit Kunstwerke, Erfindungen und ?hnliche Hinterlassenschaften hervorgebracht. Wer dazu nicht in der Lage ist, setzt Kinder in die Welt, um der Unsterblichkeit ein kleines St?ck n?her zu kommen. Doch letztlich z?hlen unsere Gedanken, unsere Worte und unser Tun. Letztlich ist nur wichtig, wie viel Bedeutung ein anderer Mensch uns beimisst, denn wir erreichen in seinen Gedanken ein St?ck Unsterblichkeit. Der wirkliche Tod ist das Vergessen.

Eine Ber?hrung bleibt nur ein sensitiver Reiz, wenn sie nicht bis in unser Herz dringt und es zu erw?rmen im Stande ist. Die Erinnerung an die Ber?hrungen unseres Herzens bleibt in unseren Gedanken erhalten, lange nachdem sich die Hand wieder entfernt hat. Es sind so viele Ber?hrungen, denen wir uns t?glich aussetzen, manch eine sicherlich ungewollt, doch bleiben jene, die in einem liebevollen Moment stattfanden und uns f?r einen Augenblick die Kluft des Abgetrenntseins ?berwinden lie?en, die eine Br?cke zwischen zwei Seelen bauten und mit denen wir einen Moment vergessen durften, dass wir durch alles Schwere alleine gehen m?ssen.

Die physische Existenz ist gegangen, wir k?nnen sie nicht mehr ber?hren. Der geliebte Mensch wird uns nie mehr umarmen, nie mehr zuh?ren und mit uns lachen oder weinen, doch ist er immerfort bei uns, da wir die vielen Augenblicke in unseren Gedanken wie ein Schatzk?mmerlein h?ten, in denen uns all das durch seine Existenz gegeben ward. An einem besonders einsamen Tag holen wir dann den Schl?ssel der Erinnerung hervor, setzen uns mitten in unseren Reichtum und allm?hlich weicht die Traurigkeit der Freude ?ber den Schatz. Ein Mensch kann uns k?rperlich nie so nahe sein, wie er es unserem Herzen zu sein vermag.

All dies mag hart und befremdlich klingen, doch ist es das Wesen jeder Wahrheit, wenn sie als solche nicht verleugnet wird. Im Angesicht des Todes werden wir ihrer gewahr. Es ist, als ob der Tod die Maske der Verdr?ngung von uns gerissen h?tte und wir beobachten mit Staunen und Kopfsch?tteln das sinnlose Treiben um uns herum. Die Gedanken, denen wir bisher so viel Beachtung schenkten, verlieren an Wichtigkeit und lassen uns zu dem Zur?ckkehren, was wesentlich ist. Der Tod macht uns als Menschen gleich, die wir so sehr bem?ht sind, uns voneinander zu unterscheiden.

Das Wesentliche ist, was uns vereint.
22.6.05 23:53


In walked bud

Du warst weg, unterwegs. Einige Zeit, zwei Wochen oder mehr. Danach stehst du mit Sack und Pack vor deiner Wohnung. Du ?ffnest die T?re, betrittst die R?ume, die du eingerichtet hast und die du jederzeit beschreiben k?nntest. Schlie?lich kennst du jeden Winkel, hast viel Zeit dort verbracht. Jetzt siehst du alles ganz neu. Der Flur, das erste Zimmer, durch das das Licht f?llt. Vertraut und doch fremd. Waren die W?nde immer schon so dunkel, der Raum so klein? Waren die Bilder immer schon am selben Ort? Nat?rlich hat sich nichts ver?ndert und dieser Anflug von Fremdheit h?lt nur einige Minuten. Doch sind es diese Minuten, die ich jedes Mal festhalten m?chte. So sieht also einer, der zum ersten Mal zu Besuch bei dir ist. Was w?rde wohl passieren, wenn du dein Gesicht mehrere Wochen nicht im Spiegel gesehen h?ttest? W?rest du dir pl?tzlich fremd? Oder h?ttest du gar die Kleinigkeiten vergessen, die nur dir auffallen?



Aus anderen Augen sehen. Leider gelingt das nur ganz selten.

18.6.05 20:55


Happy birthday [in general]

Herzlichen Gl?ckwunsch und bleib so, wie du bist!

Was f?r ein merkw?rdiger Wunsch. Ich bin mir sicher, dass sich dahinter eine gute Absicht verbirgt. Der Gratulant will damit ausdr?cken, dass das Geburtstagskind bez?glich seiner charakterlichen Eigenschaften ganz passabel scheint. Mag sein, es ist der unterschwellige Wunsch, dem Gratulanten auch in Zukunft wohlgesonnen zu bleiben. Aber im Gro?en und Ganzen will doch niemand ernsthaft so bleiben, wie er gerade ist.

Nehmen wir mal an, W?nsche w?rden Wirklichkeit, wie in M?rchen, in denen eine b?se Hexe das K?nigskind mit einem Fluch belegt. Nehmen wir weiter an, der Fluch w?rde bedeuten, dass ein Sechzigj?hriger den intellektuellen und geistigen Reifegrad eines Zwanzigj?hrigen h?tte, weil ihm damals dieser Wunsch entgegengeschleudert wurde. Wie bitter muss das Leben f?r so eine Person sein, deren Entwicklung stillsteht. Dr?ngende Ungeduld, gefangen in einem alternden K?rper. G?nzlich fehlende Gelassenheit ersetzt durch sp?tpubert?re Egozentrik. Vielleicht w?re er somit der Gefahr des Alterszynismus entgangen aber es fehlte ihm immer noch eine Einsicht in die eigene Mittelm??igkeit. Noch am Ende seiner Tage w?re er der narzisstischen ?berzeugung, gro?es vollbringen zu m?ssen.

Wenn ich mich unter meinen Mitmenschen so umschaue, beginne ich langsam an Wunscherf?llung zu glauben.

4.5.05 18:02


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