Dünne Luft
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Schöner fliegen
You can´t always get what you want

Nach einer etwas unruhigen Nacht wache ich morgens auf und mag die Augen noch nicht ?ffnen. Die Traumbilder sind noch nicht ganz verblasst und ich versuche sie festzuhalten. Seltsam, wie real manches Traumerlebnis doch ist. Ich erinnere mich gerne an Tr?ume, in denen ich m?helos renne. Fast schwerelos gleite ich im Laufschritt ?ber den Boden, ohne zu schwitzen oder zu keuchen.

Heute morgen sitze ich nun vor meiner Teetasse und denke ?ber mein Leben nach. Da g?be es einiges, was ich gerne ?ndern w?rde, doch womit soll ich beginnen? Rauchen aufgeben, abnehmen, mehr Sport treiben? In Erinnerung an meinen Traum ?berlege ich, wie es wohl w?re, jeden Tag ein wenig in der Gegend umherzurennen, schlie?lich w?re das gut f?r meine Kondition und die Gesundheit. Doch vorher sollte ich das Rauchen aufgeben, denn sonst komme ich nie in den Genu? eines reinen Atemzuges frischer Umgebungsluft. Ein Blick auf die Zigarettenschachtel auf dem Tisch zeigt mir, da? ich nur noch eine Kippe habe - offensichtlich der geeignete Moment, dieses Vorhaben zu starten. In irgendeinem schlauen Buch habe ich gelesen, da? es wichtig sei, diese letzte Zigarette sehr bewu?t zu rauchen. Ich z?nde sie an und inhaliere den Qualm. Merkw?rdig komme ich mir dabei vor. Da f?lle ich ein Leben lang dieses Teufelszeug in meine Lungen, gebe ein Heidengeld daf?r aus und das Ergebnis sind ein ?bler Geschmack im Mund und gelbe Tapeten. Also mache ich mir all diese negativen Begebenheiten so richtig deutlich und irgendwie schmeckt die Zigarette ?berhaupt nicht. Wie w?re es, stattdessen morgens eine Tasse Tee ohne Rauch zu genie?en? Und das ganze Abh?ngigkeitsbrimborium, nein als denkender Mensch stehe ich da doch v?llig dr?ber. Ich dr?cke die Zigarette halb geraucht im Aschenbecher aus. Dann w?re da noch dieser Vorsatz abzunehmen, der zunehmend dringender wird, wenn ich meine Kleidersituation ?berdenke. Allerdings wei? ich auch, da? abnehmen alleine nichts bringt, wenn ich dieses Vorhaben nicht mit Sport kombiniere.
Sch?n, ich k?nnte mir heute Laufschuhe kaufen gehen, nur wei? ich nicht genau wo. Fr?her w?re ich einfach in ein Sportgesch?ft gegangen und h?tte die Modelle in meiner Gr??e begutachtet aber heutzutage wird der Kauf einer simplen Gl?hbirne schon zur reinsten Philosophie. Ich stelle mir vor, wie ich den Laden betrete und mich mit der Bitte um Beratung an einen dieser durchtrainierten mittzwanziger Verk?ufer wende. Auf meine Erkl?rung, da? ich vorher noch nie gelaufen sei und nicht w?sste, welche Schuhe am Besten f?r mich geeignet w?ren, w?rde ich mir eine wissenschaftliche Abhandlung anh?ren m?ssen, an deren Ende ich keinen Deut kl?ger, allerdings reichlich verwirrter w?re. Vielleicht sollte ich mich erst einmal im Netz kundig machen oder Bekannte fragen, die sich mit sowas auskennen. Schlie?lich will ich nicht das Gef?hl haben, ich h?tte minderwertige Ware gekauft oder w?re gar den Verkaufstricks dieses angeblich besorgten Beraters aufgesessen.

Die Schuhe m?ssen somit noch ein wenig warten aber mit abnehmen kann ich gleich heute beginnen. F?r die n?chsten Wochen ist also Gem?se und Salat angesagt. Zu dumm, da? dieser fette Speck und der K?se in meinem K?hlschrank darauf warten, vernichtet zu werden. Das w?re ja noch sch?ner, wenn ich f?r die Leckereien gutes Geld bezahle, nur um sie anschlie?end im M?lleimer zu entsorgen. Mein Magen knurrt und ich kann mich nicht beherrschen, ein wenig von dem Fr?hst?cksspeck zu naschen. Wenn ich jetzt was koche, dann w?re ich satt und w?rde nicht alle f?nf Minuten den K?hlschrank ?ffnen, um mir irgendwas Essbares zuzuf?hren. So ?berlege ich, was ich denn aus meinen Vorr?ten zaubern k?nnte, das nicht zu kalorienreich w?re. Allein die Vorstellung l?sst mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Nein, bis ich gekocht habe kann mein Magen nicht warten und so empf?ngt er freudig einige kalte Kleinigkeiten. Es m?gen ja wahrlich gute Vors?tze sein aber mein Leben ist eh schon freudlos genug, wieso soll ich mich also noch mehr qu?len?

Ich glaube, ich gehe jetzt erst einmal Zigaretten holen.
4.7.05 22:20


Tunes

"Das ist ja zum Knochen kotzen" sagte einst eine Freundin, die damit den Frustrationsgrad eines Geschehnisses besonders gut traf.
4.7.05 22:24


My ideal

Bezeichnet der Gebrauch von Fremdw?rtern innerhalb gesprochener S?tze nun einen Bildungsgrad oder nur fehlende literarische Besch?ftigung?

Als ich letztens einen alleine an der Bar sitzenden Kneipenbesucher ansprach, entwickelte sich schnell das, was als oberfl?chliches Kennenlernen bezeichnet werden k?nnte. Die Frage nach dem ausge?bten Beruf lie? nicht lange auf sich warten. Nun ist es ja so, dass ich diese Frage nicht sonderlich sch?tze ? was vorwiegend mit meinem derzeitigen Beruf und den damit verbundenen Assoziationen zu tun hat- und sie meist geschickt zu umgehen wei?. Warum fragt mich eigentlich niemand nach meiner Schuhgr??e oder meiner Lieblingsfarbe? Aus den Antworten w?re mindestens genauso viel ?ber mich zu erfahren wie der nach meinem Job. Andersherum k?nnte ich doch auch nicht wirklich viel ?ber eine Person erfahren, die in der Verwaltung t?tig ist. Ich w?sste nichts ?ber ihre Vorlieben, ihre Vergangenheit oder ihre Lebensumst?nde, m?sste mich weiter langsam herantasten. Aber nein, der Herr wollte es unbedingt wissen. Er lie? nicht locker, bis ich ihm einen imagin?ren Beruf nannte, der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Der Wahrheitsgehalt ? von mir als schnell durchschaubar verpackt ? erschloss sich ihm nicht sofort, doch nach einer Weile schien er begriffen zu haben. Also spielte ich das Spiel weiter und fragte nun meinerseits nach seinem Beruf, in der Annahme, er w?rde mir ebenfalls ein Phantasiekonstrukt anbieten. Tats?chlich antwortete er: ?Ich bin T?pferer, selbst?ndig.? Ich zuckte kurz ob des angef?gten ?ers. Es gibt ja Worte, die sich umso korrekter anh?ren, je ?fter man sie im Kopf ausspricht. Der T?pferer schien allerdings nicht zu dieser Kategorie zu geh?ren. Mein n?chster Satz ?Das ist eine sehr kontemplative T?tigkeit? schien in seinem Kopf ebenfalls einen Denkprozess in Gang zu setzen, den er schlie?lich mit der Frage: ?was bedeutet kontemplativ?? beendete. Nun war das Erstaunen auf meiner Seite. Konnte es sein, dass meinem Gegen?ber die Bedeutung des Wortes fremd war oder spielte er einen weiteren Trumpf aus? Und wenn erster Fall zutrifft, w?rde die Unkenntnis dieses Wortes wohl auf seinen intellektuellen Reifegrad schlie?en lassen oder nur bedeuten, er h?tte sich bisher weniger mit Welt- und mehr mit Fachliteratur besch?ftigt?

Da mich diese Frage im Nachhinein noch l?nger besch?ftigte, begann ich verschiedene Szenarien zu entwerfen:

Bildung und Sprache sind unmittelbar miteinander verkn?pft. Fachidioten halte ich nicht f?r besonders gebildet. Allerdings hat dies nicht mit fehlender Intelligenz zu tun, sondern eher mit fehlendem Interesse an Allgemeinbildung.

Wenn ich denke, ein gebildeter Mensch m?sse mit Fremdw?rtern eloquent umgehen k?nnen, bin ich nicht davor gefeit, ebenfalls [vielleicht zu Unrecht] bei Unkenntnis verurteilt zu werden. Folglich kann ich diese Tatsache nicht als Indiz f?r fehlende Bildung bezeichnen.

Sprache bildet sich ?ber Gelesenes. Jemand der viel liest, verf?gt mit Sicherheit ?ber eine vielf?ltigere Ausdrucksweise. Folglich kann ich durch das Fehlen einiger Fremdw?rter durchaus auf eine Abneigung gegen?ber allgemeiner Literatur schlie?en.

Und weil mich diese Gedankeng?nge ebenfalls nicht weiter als bis zum Ende meiner gedanklichen Weltscheibe f?hrten, fragte ich eine Freundin.
Die meinte nur lachend, ich h?tte nun einen wunderbar ausgefeilten Mechanismus entwickelt, potentielle Kandidaten in der Partnerwahl durch ein fiktives Raster fallen zu lassen.
Ich muss zugeben, die Unkenntnis des Wortes lie? besagten Herren auf einen Schlag um L?ngen unattraktiver erscheinen aber insgesamt kann ich ihr nicht beipflichten.
Und so irre ich weiterhin eine Antwort suchend durch das Universum Netz.
Vielleicht hat Frau Modeste ja eine L?sung? Immerhin wei? sie um die Geheimnisse von B?cherregalen und deren Bedeutung in der Partnerwahl.
4.7.05 23:45


Tunes

Geldw?sche:
Geldschein in eine Hosentasche stopfen - Hose waschen - frischgewaschene Hose anziehen - aus der Tasche einen frischgewaschenen 50 Euro Schein ziehen - sich freuen.
6.7.05 15:50


Line for lions

What goes around comes around

F?r gew?hnlich spreche ich nicht gerne ?ber meinen Job. Er ist mein pers?nliches Stiefkind, nicht Teil von mir und nicht wirklich geliebt. Da n?tzt auch kein fortw?hrendes Mantra vom Gl?ck ?berhaupt eine Anstellung zu haben, die mir durch Einkommen und Freizeit andere Vorlieben erm?glicht. Ich habe ihn gew?hlt wie den Wintermantel im Schlussverkauf, wenn es keine Auswahlm?glichkeit mehr gibt, ich aber unbedingt noch einen brauche und sich ein weniger sch?nes Modell in einer nicht ganz passenden Gr??e anbietet, weil es g?nstig zu sein scheint. Und dann steht man im n?chsten Winter da und stellt ganz pragmatisch fest, dass ein Neuerwerb nicht angebracht ist, da man ja schon ein Modell besitzt.

Mein Job ist es also, zwischen den gro?en St?dten dieser Welt hin und herzufliegen und haufenweise Menschen von einem Ort zum anderen zu bef?rdern. Nein, nicht zu bef?rdern, eher zu begleiten. So begab es sich gestern auf einem Nachtflug, dass ein Amerikanischer Herr mittleren Alters das Flugzeug noch vor allen anderen bestieg. Er wurde uns aufgrund seiner panikartigen Angst vom Bodenpersonal besonders ans Herz gelegt. In der Tat stand er vor mir, zitternd und stammelnd wie ein kleines Kind. Da ich aufgrund der geringen Auslastung des Fluges etwas mehr Zeit als ?blich hatte, unterhielt ich mich mit ihm eine Weile. Wir sprachen zun?chst ein wenig ?ber seine ?ngste. Er schien ihm kaum m?glich einen fl?ssigen Satz von sich zu geben. Dabei sch?mte er sich sehr ob seiner offensichtlichen Schw?che. Noch vor dem Start studierte er eingehend die Sicherheitsinstruktionen in seiner Sitztasche und fragte, wie denn das ?ffnen der T?re funktioniere. Ich erkl?rte es ihm am Objekt. Sp?ter erz?hlte ich ein wenig ?ber andere Passagiere in ?hnlichen Situationen und meine eigenen ?ngste. Er h?rte aufmerksam zu und gestand schlie?lich, Psychologe zu sein, auf dem Weg zu einer Beerdigung von Europa in die Staaten. Das Gespr?ch glitt wie ein Fluss langsam hinweg ?ber seine Lehrt?tigkeit an verschiedenen Orten der Welt, seine Aufgaben als Schriftsteller und Editor und schlie?lich unsere Lieblingsautoren. Langsam aber sicher begann er eloquenter und freier zu sprechen, das Zittern in seiner Stimme und seinen H?nden verschwand und gegen Ende des Fluges schien er fast gel?st, soweit dies in seiner Situation ?berhaupt m?glich war. Kurz vor der Landung bat er mich noch einmal zu sich. Er fahre jeden Tag von seinem Wohnort mit dem Taxi zur Universit?t, so erz?hlte er, und jeden Tag nehme er ein oder zwei Anhalter mit. Daf?r b?te er sie, noch am selben Tag einer weiteren fremden Person etwas Gutes zu tun. Auf diese Weise bleibe alles Gute im Fluss und k?me wieder zur?ck. Dann griff er sein Buch und dr?ckte es mir mit der Bemerkung in die Hand, er wolle es mir schenken, weil ich ihm in seiner Schw?che die Kraft f?r seine Weiterreise gegeben h?tte.

Das sind die Momente, in denen ich ger?hrt bin und meinen Job ein kleines bisschen mag.
11.7.05 14:53


Wenn einer eine Reise tut

Jedem von uns ist klar, dass Personen des ?ffentlichen Lebens auch nur Menschen sind. Umso begieriger scheint so mancher zu sein, diese These im Alltag best?tigt zu sehen. Nicht umsonst sind die Boulevardbl?tter voll von Geschichten aus ihrem Privatleben. Ab und zu m?ssen sich diese Menschen von einem Ort zum n?chsten bewegen und legen gr??ere Distanzen gerne mit dem Flugzeug zur?ck. Und so kann die ein oder andere Ber?hmtheit ganz ohne Absperrung aus n?chster N?he betrachtet werden.

John Cusack soll an Bord sein, er sitze in der Business-class. Die Bezeichnung der Sitzkategorie ist irref?hrend, denn erstens bedeutet sie frei ?bersetzt Arbeiterklasse was sicher nicht im Sinne des entsprechenden Klientels w?re und zweitens g?be es keine bequemen Sitze, die sich zu Betten umfunktionieren lassen, geschweige denn eine reiche Auswahl an Unterhaltungsprogramm, w?rden die Passagiere dort nur arbeiten wollen. Immerhin muss jemand, der sich ein regul?res Ticket daf?r leisten kann, einer gutbezahlten Arbeit nachgehen.
Meine M?dels sind vor Beginn des Einsteigevorganges sichtlich nerv?s. Pl?tzlich tauchen Schminkutensilien auf, die vorhandenen Spiegel sind umringt, es wird gekichert und durcheinandergeredet. Die Besatzung hat sich in zwei Lager gespalten: die einen werden zu pubertierenden Teenagern, deren Traum vom Zusammentreffen ihres Kinoschwarmes in K?rze in Erf?llung geht, die anderen verbergen ihre Neugier hinter vorgeschobenem Desinteresse und Gelassenheit. Dummerweise arbeite ich heute vorwiegend mit Personen aus der ersten Gruppe zusammen. Als das Einsteigen beginnt, bin ich pl?tzlich alleine im hinteren Teil des Fliegers. Diese Tatsache f?rdert nicht gerade meine Unvoreingenommenheit gegen?ber Herrn Cusack. H?chstwahrscheinlich laufen meine Kolleginnen gerade lemmingartig einen Gang hoch, an seinem Sitz vorbei, wenden in der K?che und den anderen Gang wieder zur?ck, nicht ohne dabei jedes Mal in seine Richtung zu l?cheln.

Wir bereiten uns auf den Start vor und erste Trends und Meinungen werden kundgetan. Das gr?ne Sweatshirt sei unvorteilhaft, er unterhalte sich angeregt mit anderen G?sten, obwohl er noch bei Ankunft versucht habe, sich hinter einer gro?en Sonnenbrille zu verstecken und ?berhaupt wirke er ganz anders als in seinen Filmen. Wenigstens haben wir jetzt ein Gespr?chsthema fern von Shopping und Manik?re. Ich beschlie?e, mir sp?ter selbst ein Bild zu machen und denke ein wenig an High Fidelity, der einzige Film, in dem ich ihn bewusst wahrgenommen habe. Leider kann ich mich kaum noch an diesen Film erinnern, wohl weil ich ein gro?er Nick Hornby Fan bin und das Buch vorzog.

Sp?ter ist viel sp?ter. Fast h?tte ich ?ber all den kleinen und gro?en Problemen die Anwesenheit des Schauspielers vergessen. In der Wache begebe ich mich nach vorne auf meinen Platz als Verantwortliche. Die Kabine ist dunkel. Auf meinem Weg passiere ich Schlafende. Erkennen kann ich niemanden, nur anhand der Sitznummerierung erahnen, welcher der unter den Decken gekr?mmten K?rper zu besagtem Herrn geh?rt. Ich setze mich in das Kontrollzentrum. Pl?tzlich steht er vor mir. Ein H?ne in gr?n, die Schlafmaske ?ber die Stirn geschoben, das Haar nach allen Seiten unsortiert vom Kopf abweisend, in der Hand den Stecker seines Kopfh?rers, den er mir entgegenstreckt. Um den Inhalt seines Anliegens zu verstehen, muss ich zweimal nachfragen, obwohl ich sicher bin, dass er englisch mit mir spricht. Wie lange wir noch fliegen, m?chte er wissen. Drei Stunden, antworte ich. Eine kurze R?cksprache mit der Kollegin ergibt, dass ich nichts auf den Ohren habe, sondern er schon seit Beginn seines Aufenthaltes so undeutlich spreche. Eine zweite Kollegin meint ganz lapidar ?der ist total zugeknallt?. Im n?chsten Anlauf erkl?rt er mir, er habe irgendetwas verloren. Ich schnappe mir eine Taschenlampe und begebe mich zu seinem leeren Sitz, w?hle zwischen Decken und Kissen, ohne jedoch wirklich zu wissen, wonach ich suche. Nach einem erneuten Beratungsgespr?ch erahne ich, dass er seinen I-pod vermisst. Zwischen die Sitzpolster m?sse er w?hrend des Schlafes gerutscht sein. Eine weitere Inspektion des Sitzes f?rdert ein kaputtes Glas und eine zerdr?ckte Coladose zutage ? ihr Leben durch das Ausbringen der Liegefl?che ausgehaucht ? nicht jedoch das vermisste Teil. Ich w?hle zwischen noch k?rperwarmen Decken, krieche auf dem Boden und beleuchte pers?nliche Reiseutensilien. W?hrend ich suche, bleibe ich mit den Str?mpfen am Klettverschluss seiner Tasche h?ngen, was eine Laufmasche nach sich zieht. Aber was sind schon meine Str?mpfe im Vergleich zu Herrn Cusacks I-pod. Vergeblich ?berbringe ich ihm die Botschaft, das Ger?t sei vielleicht unter seinen pers?nlichen Sachen zu finden, nicht jedoch unter dem Sitz. Nein, es m?sse sich unter dem Sitz befinden. Ich erkl?re noch einmal sehr langsam und deutlich, dass ich es nicht finden konnte und momentan nicht wisse, wie der Status quo zu ?ndern sei. Herzerweichend ist der Dackelblick, den er mir zuwirft. Dann kehrt er zu seiner Schlafst?tte zur?ck. Zehn Minuten sp?ter steht er wieder vor mir und fragt, wie lange wir noch unterwegs seien. Meine Antwort formuliere ich nach einem Blick auf den gro?en Monitor, der un?bersehbar in der Kabine die verbleibende Flugzeit anzeigt. Als er sich einige Minuten sp?ter mit derselben Frage erneut an mich wendet, verwandelt sich seine Gestalt vor meinem inneren Auge in einen kleinen Jungen, der mit den Aussagen ?Wann sind wir endlich daaha? Mama, ich hab Hunger/Durst... ich muss mal... mir ist langweilig!? Eltern w?hrend Autoreisen besch?ftigt.

Mit den Kollegen unterhalte ich mich noch ein wenig ?ber dieses Ph?nomen. Meine Vermutung ist, er leidet unter Flugangst und hat vor der Reise raue Mengen von Beruhigungsmitteln eingeworfen. Die anderen sind wesentlich ungn?diger. Nein, es m?sse schon was mit Drogen zu tun haben und da war doch mal diese Geschichte in der Boulevardpresse mit Entzug und so und seine Freundin sei doch damals wie eine Mutter zu ihm gewesen und so weiter und so weiter. An dieser Stelle klinke ich mich aus den Gespr?chen aus, da mir nichts ferner liegt, als ?ber das Leben von mir unbekannten Personen zu mutma?en.

Als ich zuhause bin, ?berkommt mich doch noch ein letztes Mal die Neugier und ich st?bere ein wenig im Internet. Anscheinend bewegt sich sein Ruhm tats?chlich in den oberen R?ngen. Nun, wenigstens habe ich mich nicht blamiert, wie es bei der Zusammenkunft mit Paul Hogan der Fall war. Aber das ist eine andere Geschichte...
20.7.05 01:58


Ein Freund, ein guter Freund

Seit mehr als 20 Jahre kennen wir uns jetzt. Er war der Grund, warum meine damalig beste Freundin so sauer auf mich war, dass sie es vorzog, mehrere Wochen nicht mehr mit mir zu sprechen. Ein wenig ?bertrieben fand ich das schon, schlie?lich sollte eine Freundschaft ?ber solche Kleinigkeiten erhaben sein. Es geschah beim Tanztee. Sie hatte ein Auge auf ihn geworfen. Stundenlang analysierten wir jeden seiner Blicke, jede Geste und interpretierten, ob sie Hinweise auf seine Haltung ihr gegen?ber enthielten. Dann geschah das Unvermeidliche. Vor der Stehbluesrunde n?herte er sich uns, doch statt sie aufzufordern sprach er mich an. Als sich die Beziehung nach einigen Monaten dem Ende zuneigte, konnte ich mich nicht einmal bei ihr ausheulen. Zugegebenerma?en bestach mein Verhalten auch nicht gerade durch Loyalit?t aber in dieser Situation war es nur logisch, wie ich entscheiden w?rde. So ein Schnittchen wollte ich mir keinesfalls entgehen lassen, zumal ich mich bis dato f?r nicht besonders attraktiv hielt.

Wir blieben befreundet und in Kontakt. Als S. nach dem Abitur seinen Wehrdienst leistete, schrieb er jede Woche Briefe, in denen er beschrieb, wie er wochenlang Bleistifte zerspitzte, weil die Bestellung zu gro? war, das Kontingent jedoch bei offensichtlichem Nicht-Bedarf
im darauffolgenden Jahr gek?rzt w?rde. W?hrend meines Studiums sahen wir uns einige Male, meist nachdem er eine Beziehung beendet hatte und mir sein Leid klagte. Ich klagte ebenfalls des ?fteren. Er war f?r mich immer der Ratgeber in praktischen Angelegenheiten und der gro?e Bruder, den ich nie hatte. Ansonsten haben wir nicht wirklich viel gemeinsam. Nicht nur unsere Lebenseinstellungen, sondern auch unsere Biographie unterscheidet sich stark. Auf seiner Hochzeit musste ich tats?chlich ein paar Tr?nchen unterdr?cken, obwohl ich nicht mal bei Jenseits von Afrika geweint habe. ?berhaupt entstanden an jenem Tag sehr skurrile Situationen, da er einige seiner Ex-Freundinnen ebenfalls eingeladen waren. Mit meinem Sitznachbarn, dem zuk?nftigen Gatten einer Ex-Freundin von S. (nennen wir sie A.),
entwickelte sich noch w?hrend der Vorspeise folgender Dialog:

?Kennst Du Braut oder Br?utigam??
?Ich bin eine Freundin von S.?
?Aha, wart ihr liiert??
??h...?
?Wann war das??
?Wir sind FREUNDE?
?War das vor oder nach A. (seine Partnerin)??
?Das war lange vor ihr. K?nnen wir jetzt bitte ?ber was anderes reden, sonst f?rchte ich, werden wir den Spannungsbogen nicht bis zum Dessert durchhalten.?

Dann wurde seine Tochter geboren, was er mit den Worten ?Ich bin jetzt Superpapi!? verk?ndete. Eine Woche sp?ter kroch Superpapi auf dem Zahnfleisch. Supermami hatte einen Bandscheibenvorfall und so musste er nachts aufstehen, obwohl er tags?ber arbeitete. Das war vor etwa eineinhalb Jahren. Seitdem wurden unsere Telefonate immer seltener, bis ich eines Tages von ihm tr?umte und mir bewusst wurde, welchen Schatz ich mit dieser Freundschaft besitze. Ich berichtete ihm von meinen N?ten, stets in der Hoffnung, verstanden zu werden. Seine letzten Zeilen waren sehr eindringlich f?r mich.

man muss mit sich zufrieden sein... das ist das problem und das ist aus meiner sicht dein problem... seit wir uns kennen bist du mit DIR in irgend einer form unzufrieden sei es nun mit deinem k?rper oder mit deiner leistungsf?higkeit... mit deinem verhalten gegen?ber dritten... ein paar "indirekte" Zitate aus grauer vorzeit: zu klein... hat schlechte haut... hintern zu dick... busen nicht in ordnung... figur unm?glich... nicht gut genug f?rs studium... alle anderen sind letztlich besser... dauernder zweifel an freunden und auch deiner mutter nach dem motto man mag / liebt dich nicht... usw. was ein bl?dsinn... du machst dir einen druck der aus keinem grund, aus gar keinem grund gerechtfertigt ist... die konsequenz war: du isst nicht vern?nftig ... hungerst dich mager und rauchst wie ein schlot... du machst dich durch die musik verr?ckt ohne grund... du weisst dass du sehr sehr gut fl?te spielst machst die aber dadurch dass du dich selbst unter druck setzt fertig... das bewusstsein von sich selbst ist landl?ufig als selbstbewusstsein bekannt... was nichts mit coolness zu tun hat... du bist cool (nach aussen) obercool. das selbstbewusstsein kommt von innen und das machst du dir kaputt indem du permanent an dir zweifelst und auch an menschen die dich m?gen... nach dem motto man(n) kann dich nicht m?gen/lieben weil du dich nicht liebst... du streust solange sand ins getriebe beziehung -oftmals sicher unbewusst- bis es kaputt ist... deine "geschichte" kennen aus meiner sicht nicht viele... einigen hast du vielleicht was erz?hlt aber das ist immer eine subjektive sichtweise... ich kenne dich mehr als 20 jahre... ich glaube das beurteilen zu k?nnen... du bist h?bsch, du bist liebenswert, du bist leistungsf?hig FRISS DAS ENDLICH!
Du muss nicht immer der erste oder beste oder tollste sein... manchmal ist auch der 2. platz ein sieg oder die blosse teilnahme... man soll gas geben... mach ich auch... aber ab und an ist es ratsam den weg voraus zu beobachten und ggf restzeitig zu bremsen...



Wenn das mal kein Freundschaftsbeweis war! Leider ist er mit seinen Ausf?hrungen ?ber das Ziel hinausgeschossen. Thema verfehlt, mein Anliegen nicht verstanden, was ich ihm daraufhin sehr deutlich machte. Ich br?uchte keine Tipps und er solle doch bitte seine Handwerker-wir-l?sen-jedes-Problem-M?tze stecken lassen. Auf Hobbypsychologie reagiere ich allergisch. Seitdem herrscht Funkstille. Im Nachhinein tun mir meine klaren Worte leid. Irgendwie muss ich das jetzt wieder geradebiegen. Was unerf?llt bleibt, ist die Sehnsucht, verstanden zu werden.

Die Menschheit br?tet nicht erst seit Harry und Sally ?ber der Frage, ob M?nner und Frauen wirklich befreundet sein k?nnen. Hier ist die Antwort: NEIN. Nicht Sex kommt dazwischen, sondern eine v?llig kontroverse Sichtweise der Dinge.
20.7.05 19:27


Wer hat an der Uhr gedreht?

Wenn man hellwach ist, w?hrend andere schlafen und es drau?en dunkel ist, nennt man das Jetlag. Das ist eine ekelhafte Sache und nicht zu verwechseln mit seniler Bettflucht, obwohl die ?berg?nge ab einem gewissen Alter flie?end sein k?nnen. Manchmal zweifle ich an der Konstitution des menschlichen K?rpers, zumindest meiner scheint st?ndig M?digkeit zu signalisieren. Ich fliege nach Westen, komme an und bin m?de. W?hrend andere schlafen, sitze ich in einem Hotelbett und bin putzmunter, vertreibe mir die Zeit mit amerikanischen Serien oder Filmen auf HBO, Drei Tage sp?ter will ich zuhause Freunde anrufen, doch ein Blick auf die Uhr sagt mir, es ist drei Uhr nachts. Dann geht?s nach Osten und wieder k?nnte ich dort zwei Tage im Bett verbringen. Zur?ckgekehrt pl?ndere ich morgens um vier meinen K?hlschrank und trete um kurz vor acht nerv?s vor dem Supermarkt von einem Bein auf das andere, bevor er ?ffnet.

Bekannte betrachten stets neidvoll die Zeit, die ich in fremden St?dten rund um den Globus verbringe oder die ich danach frei habe. Doch ahnen sie nichts von meinem zombiehaften Dasein, da ich das Tageslicht schlafend vers?ume und erst um die Geisterstunden erwache. Nicht umsonst bin ich so blass. Kann es sein, dass Nicole Kidman nicht an?misch, sondern einfach nur zu viel unterwegs ist? Vielleicht entwickle ich langsam eine dieser merkw?rdigen ?bersensibilisierungen gegen?ber Sonnenlicht, wie einst Hannelore Kohl. Vielleicht war Helmut aber auch einfach nur im Dunkeln zu ertragen. Einmal habe ich ihn getroffen. Eine k?rperlich beeindruckende Erscheinung. Ein Koloss von einem Mann. Als ich seinen Mantel abnahm, erinnerte der mich an den alten Spruch ?Zelte gibt?s in der Sportabteilung?. Und richtig sympathisch wurde er mir, als er mir mit einem L?cheln verzieh, dass ich ihm aus Versehen den Spiegel zu lesen anbot. Immerhin war er damals auf der Titelseite mit der Spendenaff?re. ?Ich h?tte gerne einen Verl?ngerungsgurt f?r meine Topfigur? waren seine letzten Worte, bevor er in den Schlaf des Gerechten fiel. Aber kommen wir zur?ck zum eigentlichen Thema. Es gibt da einen Indianerspruch, der besagt, wenn man schneller als zu Fu? reise, die Seele drei Tage br?uchte, um nachzukommen. Technisch bedeutete das damals mit der Eisenbahn. Nicht auszudenken, was das f?r die heutige Zeit und auf Flugzeuge bezogen bedeutet. Demnach w?re ich permanent seelenlos, was wiederum mein Schlafdefizit erkl?ren w?rde, denn ohne Seele lebt es sich schlecht. Ich stelle mir das so vor: da bin ich von einem Ort zum anderen unterwegs und mein Weg kreuzt den meiner Seele, die in die entgegengesetzte Richtung unterwegs ist. So laufen wir st?ndig aneinander vorbei. Hoffentlich wird sie rechtzeitig da sein, wenn ich sterbe. W?re doch bl?d, wenn sie erst Wochen sp?ter davon mitbekommt und noch durch die Gegend geistert.
21.7.05 09:58


Kein Schwein ruft mich an

Mein Telefon ist rot, genau wie das des Pr?sidenten der Vereinigten Staaten. Zumindest in Filmen ist das immer so. Wenn n?mlich der Pr?sident der Vereinigten Staaten dem Pr?sidenten der Sowjetunion mitteilen m?chte, dass er soeben eine Rakete mit atomarem Sprengkopf geortet hat, die vermutlich auf Veranlassung des Pr?sidenten der Sowjetunion abgeschossen wurde und nun Richtung Vereinigte Staaten unterwegs ist und er das nicht so knorke findet, tut er das mit dem roten Telefon. Ansonsten haben die Beiden nicht so viel zu bequatschen oder sie tun es ?ber normale Leitungen. Das rote Telefon wird folglich nicht h?ufig benutzt. Wenn es dann mal l?utet, kriegt man einen halben Herzinfarkt. Nein, mein Telefon ist nicht rot, nur symbolisch gesprochen. Eigentlich ist es blau und klingelt nicht. Fr?her war das anders. Da riefen so manche nette Herrschaften an, um mir allerlei Fragen zu meinen Finanzen oder meiner Versicherungssituation zu stellen oder um mir einfach nur mitzuteilen, dass sie jemand anderen sprechen wollten. Besonders eindringlich ist dieses Erlebnis, wenn man durch das L?uten morgens aus feuchten unkeuschen sch?nen Tr?umen gerissen wird. Noch schlimmer ist die Situation, wenn man dem Klingeln nicht alleine lauscht, kurze Zeit sp?ter der Anrufbeantworter anspringt und nun die Stimme von Mutti/Omi/Tante durch den Raum schallt. In einem heiklen Moment kann dies zu Impotenz beim Partner f?hren. Damit wechselnde M?nnerbekanntschaften in ihrem Tun nicht von einem fr?hlichen ?Hallo Schatzi!? abgelenkt werden, pflegt meine Freundin ihren Anrufbeantworter leise zu stellen.

Dieses Problem habe ich nach meinem Umzug anders gel?st. Meine Firma pflegt ihre Mitarbeiter jederzeit gerne mit einem Anruf zu ?berraschen, der einen Einsatz nach sich zieht. Folglich bin ich f?r meinen Arbeitgeber nur ?ber Handy zu erreichen. Meine Festnetznummer ist geheim, so geheim, dass ich manchmal die Nummer selbst vergesse und sie auf Rechnungen nachschlagen muss. Auch Bekannte riefen immer seltener an und warteten stattdessen, bis ich mich meldete. Die g?ngige Ausrede war ?Du bist doch sowieso nie zuhause?. Inzwischen habe ich das Telefon meistens ausgesteckt, denn wer mich erreichen m?chte, tut dies via Mobilfunk. Manchmal vergesse ich es allerdings und erschrecke mich zu Tode, wenn es dann doch klingeln sollte.

Es ist keine Seltenheit, dass ich vier Tage in meiner Wohnung verweile und mich kein Mensch anruft. Vor zwei Wochen versuchte mich nun mein Halbbruder zu erreichen. Wie besprochen schickte er vorher eine Kurzmitteilung, ich st?pselte das Telefon ein und wartete auf seinen Anruf. Die Zeit schien unendlich lange und meine Gedanken immer absurder zu werden. Mein Bruder ist kein Mensch vieler Worte, wir sprechen uns h?chstens zweimal im Jahr. Da dies bereits erf?llt war, begann ich ?ber den Grund seines Anrufes zu spekulieren:
[Klugscheisser1 und Klugscheisser2 in meinem Kopf]
K1 ? da ist was passiert
K2 ? was soll schon passiert sein?
K1 ? na ja, vielleicht hatte er einen Unfall oder die Schwestern oder es ist jemand gestorben... oh Gott... es ist jemand gestorben... meine Schwester... sie war ja schon immer ein wenig labil... sie hat sich schon so lange nicht mehr gemeldet... die hat sich was angetan... und ich war nicht erreichbar... bestimmt ist es das...
K2 ? so ein Quatsch, das h?ttest Du doch anders erfahren.
K1 ? na wie denn anders? Ich bin ja so schwer erreichbar.
K2 ? da h?tte nicht Dein Bruder angerufen, sondern die Mutter.
K1 ? auch wieder war. Was ist es denn dann?
K2 ? muss ja nichts Schlimmes sein.
K1- vielleicht will er mir mitteilen, dass er heiratet. Um Gottes Willen, er ist doch noch so jung. Ich meine, er ist ja schon einige Zeit mit seiner Freundin aber da muss man doch nicht gleich heiraten. Wie sage ich ihm das blo??
K2 ? das w?re doch seine Sachen, nicht? Er wird schon wissen, was er tut. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen und Du k?nntest da nichts dagegen tun, au?er Dich mit ihm freuen.
K1 ? das fiele mir allerdings sehr schwer, mich zu freuen. Nach all den Erfahrungen, die er... ich meine, er hat ja noch ?berhaupt keine Erfahrungen. Das ist seine erste lange Beziehung und letztes Jahr hat?s gewaltig gekriselt. Und dann kenne ich ihn doch, der hat das gleiche Problem wie ich selbst. Der verwechselt da was, er ist doch noch viel zu jung, um ?berhaupt zu wissen, was Liebe bedeutet. Und dann noch ein Leben lang...
K2 ? jetzt wart doch mal ab, sicher ist alles ganz harmlos.
K1 ? wenn es harmlos w?re, w?rde er mich nicht anrufen.
K2 ? vielleicht will er sich einfach nur mal wieder melden.
K1 ? das sieht ihm nicht ?hnlich.
K2 ? ABWARTEN!
K1 ? oder er macht sich Sorgen um mich. Naja, recht zuversichtlich hab ich letztes mal auch nicht geklungen. Vielleicht haben die alle beschlossen, er sollte mich mal anrufen...
K2 ? das glaube ich nicht. Der ist doch viel zu sehr mit seinem Studium involviert.
K1 ? Sch?n, dann ist es eben was anderes. Aber ich habe da so eine Ahnung...
K2 ? nichts gegen weibliche Intuition aber Du hast Dich auch schon get?uscht.

Das Telefon klingelt. Mein Bruder teilt mir mit, er sei in zwei Wochen f?r ein Bewerbungsgespr?ch in der Stadt.

K1&K2 ? GOTT SEI DANK!

Wie machen das eigentlich Leute bei einer Hotline? Ich w?re sp?testens nach zwei Wochen am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Nachtrag: heute hat mich mein Bruder besucht. Die Aussage ?Meine G?te, bist Du gro? geworden? schluckte ich noch rechtzeitig hinunter. Und gut sieht er aus, sehr jung f?r seine 25 Lenze aber gut...
22.7.05 21:07


Morning has broken

Fr?h aufstehen war noch nie meine St?rke. Mein Leitsatz lautet ?wenn ich fr?h aufstehen wollte, w?re ich B?cker oder Zeitungsaustr?ger geworden?. Nat?rlich ist fr?h definitionsabh?ngig, alles was aufstehen vor 9.00 erfordert bezeichne ich als fr?h, vor 7.00 superfr?h, vor 5.00 gemeingef?hrlich.
Zu nachtschlafender Zeit funktioniere ich denkbefreit. Nach dem Klingeln des Weckers, agiere ich wie ein Duracell-H?schen, einmal angeschaltet ist jede Bewegung automatisiert, jeder Handgriff einge?bt. Schlie?lich brauche ich innerhalb minimaler Zeit maximale Effektivit?t, denn jede Minute kostbarer Schlaf wird ausgenutzt. Da meine Firma wusste, dass ich viel Zeit mit leerem Blick in den offenen Schrank starrend verliere, stellte sie mir eine Uniform zur Verf?gung. Die einzige Herausforderung besteht im Anziehen von Nylonstr?mpfen. Wer schon einmal in Eile Nylonstr?mpfe angezogen hat, wei?, dass es sich hierbei um eine K?nigsdisziplin handelt. Eine Laufmasche ist schnell verursacht und entwertet das Kleidungsst?ck auf einen Schlag. Lange habe ich an diesem Teilvorgang ge?bt, keine Kosten und M?hen gescheut, dutzende Male dabei gescheitert, bis zur Selbstaufgabe gek?mpft, um endlich den verdienten Sieg ?ber das Material zu erringen.
Die n?chste H?rde ist das Auffinden meines Fahrzeuges. Damit ich hierbei nicht unn?tig Zeit verliere, denke ich dar?ber schon am Vorabend nach und pr?ge mir den Fu?weg genauestens ein. Es scheint, dass am Tag vor meinen Fr?hdiensten ?ber Radio Warnmeldungen ausgestrahlt werden, denn auf den Stra?en bewegen sich nur die mutigsten Mitstreiter. Die wenigen Autos weichen brav aus, wenn ich hinter ihnen fahre, Ampeln sind gr?n oder abgeschalten und Fu?g?nger finden sich so gut wie keine. So mag ich das, bin allerdings noch nicht ganz dahintergekommen, woher die von meinen wechselnden Eins?tzen wissen.
Am Zielort eingetroffen schiebe ich meinen Ausweis in den Computer und drucke n?tige Arbeitsunterlagen aus. Der Vorgang darf maximal 5 Minuten in Anspruch nehmen. Falls in dieser Phase etwas dazwischenkommt, etwa Papierstau im Drucker oder nicht funktionierende EDV, gebe ich laut fluchend Beschw?rungsformeln von mir, gefolgt von kleineren Handgrifflichkeiten gegen?ber den Ger?ten. Der ein oder andere Mitarbeiter mag dieses Schauspiel bereits im Vor?bergehen verfolgt haben und ist so bereits vorgewarnt. Als n?chstes halte ich das Briefing f?r meine Mannschaft ab. Jetzt muss ich zum ersten Mal lesen. F?r dieses Ereignis habe ich mir eine Brille ausgesucht, die durch ihre Strenge meinem Gesichtsausdruck die n?tige Dramatik verleiht. Da unsere Zusammensetzung von Tag zu Tag variiert, arbeite ich meist mit mir unbekannten Kollegen, die sp?testens jetzt um die durch ein ?ber das n?tigste hinausgehendes Mitteilungsbed?rfnis ausgel?ste Gefahr wissen.
Alles Weitere zieht wie ein Film an meinem inneren Auge vor?ber, anwesend bin ich nur k?rperlich. Selbst nach dem Dienst bin ich mir nicht sicher, ob ich noch oder schon wieder m?de bin. Muss ich mehr als einen Tag in Folge fr?h aufstehen, verschlechtert sich meine Laune zusehends.
Morgen ist der dritte Tag, ALSO GEHEN SIE MIR GEF?LLIGST AUS DEM WEG!
24.7.05 19:41


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