Dünne Luft
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Schöner fliegen
Too young for the blues

Morgen ist es wieder soweit. Ich gehe auf Tour. Diesmal mit einem neuen Ziel: Bangkok. Ich war noch nie in Bangkok. Fr?her konnte ich die Kollegen nicht verstehen, die sich nach zuhause sehnten. Alles war neu, jede Stadt galt es zu entdecken. Schon vor meiner Zeit als Flieger war ich gerne unterwegs. Egal wo, Hauptsache weg, am liebsten weit weg. Das zweite, dritte, vierte Mal Chicago, New York, Barcelona, Athen, Paris oder auch nur Berlin, K?ln, Hamburg. Es gab immer noch einiges zu entdecken. Bald addieren sich die Zahlen ins Zweistellige. Langsam schleicht sich Routine ein. Leben aus dem Koffer. Immer habe ich etwas vergessen, das ich pl?tzlich zu brauchen scheine. Die Hotelbetten sind nie so bequem wie mein eigenes, Telefonate ?berteuert, kein K?hlschrank f?r n?chtliche Fressgel?ste und das interessanteste Buch liegt daheim auf dem Nachttisch. Gef?hle von Verlorensein, sehr eindrucksvoll im Film ?Lost in Translation? dargestellt. Damals das erste Mal in Tokio, ich erinnere mich nur ungern daran. Wie fremd war das alles. Eine fremde Sprache, eine fremde Kultur, fremde Menschen. Noch nie zuvor hatte ich es in dieser Deutlichkeit gesp?rt. Vielleicht war das der Anfang. Oberfl?chlichkeit im Umgang mit Kollegen, vorget?uschte N?he, man trifft sich, arbeitet auf engem Raum zusammen, muss miteinander auskommen. Danach trennen sich die Wege. Selten erkennt man sich sp?ter wieder. Wirklich schlimm wird alles erst, wenn sich dieser Zustand zuhause fortsetzt. Keiner meldet sich spontan, um was Trinken zu gehen, keiner ruft an, kein Besuch. Ein Ortsgebundener, der einmal im Jahr verreist kennt das Ph?nomen. Er kommt aus dem Urlaub zur?ck, doch keiner meldet sich. Nach einigen Tagen kontaktiert er Bekannte. ?Ah, ich dachte Du bist noch unterwegs?. Wer oft unterwegs ist, gilt st?ndig als abwesend. Die K?pfe der Menschen arbeiten langsam.
Die Tr?gheit beginnt. Nicht erz?hlen wollen, nicht gegen falsche Vorstellungen anreden wollen, nicht in engen Kneipen stehen wollen, nichts wollen. Kontakte schlafen ein, neue kommen nicht hinzu. Leute, die sich nur in ihrem kleinen Universum bewegen, die kaum lesen, die meine Witze nicht verstehen, die au?er ihren Kindern und dem allgemeinen Jammern auf hohem Niveau keine Gespr?chsthemen haben, langweilen mich. Ich bin w?hlerisch, sehr sogar. Pl?tzlich befinde ich mich in einem luftleeren Raum. Dieselben Gedanken in Endlosschleife. Vorget?uschte N?he im Internet. Ich w?hle in fremden Blogs nach ein wenig W?rme und Verst?ndnis. Je l?nger ich lese, umso st?rker wird mir der Zustand des Abgetrenntseins bewusst. Ein Tag vergeht. Noch einer. Ich stehe sp?t auf, bleibe im Schlafanzug, gehe sp?t zu Bett. Was sich nicht aufschieben l?sst, wird erledigt. Alles andere bleibt liegen. Dann kommt die n?chste Tour, die ich genauso erledige, wie Unaufschiebbares. Von Monat zu Monat hake ich Dienstpl?ne ab, doch da ist kein Ende. Jeden Monat kommt ein neuer, durch den ich mich arbeite. Kein Gef?hl von Heimat in mir. Entwurzelt sein.

---cut---

Es gab mal einen Kollegen, der vor der Fliegerei Kunstgeschichte studierte. Er kombinierte beides, indem er sich Touren in St?dte mit interessanten Kunstausstellungen w?nschte. Manchmal begleiteten ihn die Kollegen und er spielte F?hrer durch die Museen. Eines Tages erlitt er einen Herzinfarkt im Flugzeug. Soweit ich wei?, war er sofort tot.
Tragisches Ende eines erf?llten Lebens.
Anfangs hatte ich auf jeder Tour mein Saxophon dabei. In der ein oder anderen Hotelbar spielte ich mit dem dortigen Pianisten eine kleine Session. Doch die ?berei wurde auf Dauer zu anstrengend ? vor allem bei der Unregelm??igkeit meiner Arbeit ? und meine F?higkeiten bauten ab. In letzter Zeit denke ich immer ?fter an diesen Kollegen und was ich f?r mich aus meinem Job holen kann.

---cut---

Morgen werde ich mich f?r das hier sch?men, ich wei? es genau. Aber morgen kann ich es nicht mehr l?schen, morgen bin ich weg. Deswegen verspreche ich, dass der n?chste Eintrag wieder unterhaltsamer sein wird.
Und falls jemand eine Idee hat, wie man triste Hoteltage gut verbringt, dann lassen Sie es mich wissen.
1.10.05 01:19


almost gone

Mensch Robin, das sieht doch mal wirklich besser aus als mit dem Standardbausatz Marke Malen-nach-Zahlen. Vielleicht sollten wir doch noch den Spruch hinzuf?gen? Ausprobieren kann man?s ja mal. Und dann m?ssen noch diese komischen grauen Balken weg und vielleicht die Werbungsbox...
Oder doch lieber ganzseitige W?lkchen in der Teenietapetenoptik?
W?nsche noch frohes HTML-Schaffen, w?hrend ich weg bin.
1.10.05 11:50


Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden

Eigentlich wollte ich meine Beobachtungen in Bangkok mit dem fulminanten Satz Der Thail?nder ist der Italiener S?dostasiens beginnen. Dann h?tte ich ein paar witzige Vergleiche herangezogen, um diese These zu untermauern. Leider stimmt das aber so nicht. Der Italiener S?dostasiens ist n?mlich der Philippino. Zumindest in Bezug auf Gesang hat das mal jemand behauptet. Singende Asiaten trifft man zwar hierzulande nicht an jeder Stra?enecke, daf?r habe ich sie haufenweise in meiner Musicalzeit bei Miss Saigon kennen gelernt. Dem Europ?er ist es ziemlich schnurz, von wo genau die Darsteller stammen. Hauptsache sie sehen asiatisch aus.
Einer meiner Lieblingss?tze von Polt lautet: ?Der Thail?nder an sich ist pflegeleicht und schmutzt nicht?. In einem Land, das selbst Strafen f?r die unsachgem??e Entsorgung von Zigarettenkippen verh?ngt, sind zumindest die Stra?en sauber. Daf?r ist das Wasser und die Luft umso schmutziger. Die Haupteinnahmequelle der Thais scheint das Herumkutschieren von Touristen in Taxis zu sein. Vermutlich ist kein Einheimischer so dumm, sich bei dem herrschenden Verkehrschaos ein Taxi zu nehmen. So sind auch wir nicht nur einmal in den Genuss einer Stunde klimatisierter Luft bei stehendem Verkehr gekommen.

Anfangs ist alles immer ganz harmlos. Schnell an der Hotelrezeption die Destination in Bl?mchenschrift auf einen Zettel schreiben lassen, da kaum ein Taxifahrer gut englisch spricht. Doch selbst wenn er das Fahrtziel in seiner Muttersprache vor sich sieht, bedeutet das noch lange nicht, dass der Fahrer auch wei?, wo es sich befindet. Zugeben w?rde er das jedoch unter keinen Umst?nden. Lieber f?hrt er im Kreis und wartet auf die g?ttliche Eingebung. Es gibt zwar auch in Thailand Stra?enkarten, der durchschnittliche Thai kann sie jedoch kaum von einem Burda Schnittmuster unterscheiden. Das Problem scheint mir mangelnder Orientierungssinn zu sein. Solange der Z?hler l?uft, ist das auch nicht so schlimm. Die Preise sind im Vergleich unheimlich niedrig. Meistens versuchen die Fahrer das Taxameter zu umgehen und einen h?heren Festpreis auszuhandeln oder zumindest eine kleine Kommission einzustreichen, indem sie die Kunden zu diversen L?den chauffieren.
So mancher Taxler hat sich gefragt, was er in seinem vorigen Leben verbrochen hat, um auf einen so sturk?pfigen Fahrgast wie mich zu treffen. Nein, keinen Festpreis, keine L?den und bitte auch keine Gespr?che. Meine F??e tun weh, mein Hals ist trocken und meine Bluse nassgeschwitzt. Ich m?chte in mein Hotelzimmer und zwar pronto auf dem k?rzesten Weg. Ich kenne mich nicht aus aber glaube st?ndig, das ein oder andere Geb?ude wiederzuerkennen. Demzufolge fahren wir falsch. Ich bestehe darauf, an der Auffahrt meines Hotels und nicht in der zugeh?rigen Tiefgarage abgesetzt zu werden. Gestern habe ich aber f?r die gleiche Strecke weniger bezahlt und morgen nehme ich die U-Bahn. Basta.

Da f?llt mir ein, dass ich in Italien noch nie Taxi gefahren bin.
8.10.05 21:19


April in Paris

Jeder neue Flugbegleiter durchl?uft traditionell auf seinem ersten Umlauf so etwas wie einen Aprilscherz. Aufgrund von Zeitmangel und H?ufigkeit dieses Ereignisses geriet diese Tradition leider ins Hintertreffen. An dieser Stelle f?hre ich mal einige Beispiele an:

Immer wieder gerne werden neuen FBs Zettel vorne an die W?gen geheftet. Der Schiebende kann ihn nicht sehen, da der Gang zu eng ist, um die R?ckseite des Getr?nkewagens zu begutachten. Beliebte Aufschriften waren z.B.:
?Marry me and fly free? als Anspielung auf die kosteng?nstige Bef?rderung als Angeh?riger.
?Ich bin neu, bitte sprechen Sie langsam und deutlich? was laut schreiende G?ste zur Folge hatte.

Eine weitere beliebte Variante war, dem FB durch den Kapit?n einen Zehner in die Hand zu dr?cken und ihn mit den Worten ?geh mal einen Slot kaufen? ins Flight Control Center zu schicken [Anm.: Slot ist ein Zeitfenster, innerhalb dessen das Flugzeug starten soll. Slots sind dazu da, in verkehrsintensiven Sto?zeiten die diversen Fl?ge zu regeln und werden vom Boden automatisch vergeben]. Inzwischen animiert dieser Scherz das Bodenpersonal nur noch zum G?hnen.

Mein pers?nlicher Lieblingsscherz war, den FB anzuweisen, mit Hilfe einer Taschenlampe die Leuchtstreifen am Boden aufzuladen, da das Flugzeug im Nightstop war [die Leuchtstreifen sind fluoreszierend ? somit selbstaufladend - und weisen den Weg zum Notausgang].

Ein FB wurde in Moskau aufgrund angeblich herrschender Einreisebestimmungen mitsamt Gep?ck und Taschenlampe bis zum Abflug in die Garderobe gesetzt, dann aber kurz darauf durch einen instruierten Zollbeamten entdeckt, um anschlie?end von der johlenden Crew in Empfang genommen zu werden.

Neuen Kollegen kann schnell glaubw?rdig gemacht werden, dass den Anweisungen der gottgleichen Herren im Cockpit unbedingt Folge zu leisten ist. Eine Purserette trieb dies auf die Spitze, indem sie sich bereits im Vorfeld ?ber die sexuellen Extraw?nsche der Herren beklagte und nach einem Ruf aus dem Cockpit selbiges mit Niveacreme betupften Mundwinkeln und den Worten ?ich kann nicht mehr. Wenn die wieder rufen, musst Du mal rein zum Blasen.? verlie?. W?re es ihr m?glich gewesen, so h?tte die neue FB sicher beim n?chsten Ruf lieber ihre Entlassungspapiere unterzeichnet, als das Cockpit zu betreten. Da dies nicht m?glich war, ging sie schweren Herzens ihres Weges. Welch ?berraschung, dass die Piloten diesmal nur Getr?nkew?nsche hatten.

Eine andere Variante war, der neuen Kollegin mit dem Satz ?first night ist captains night? klarzumachen, dass sie im Layover nachts Besuch zu erwarten hatte. Ihr Blick war unbezahlbar, mit dem sie in einem Neglig? bekleidet die Hotelzimmert?re ?ffnete, um die gesamte Crew vorzufinden.

Mein erster Flug verlief erstaunlich ruhig. Die Kollegen zermarterten sich wohl das Hirn, wie sie mich kriegen k?nnten. Ich wusste jedoch eindeutig zu viel und durchschaute jede Bem?hung schon im Vorfeld. Vor jedem Flug werden die Passagiere mit den Sicherheitsinstruktionen vertraut gemacht. Da die Business- von der Economyklasse durch einen Vorhang getrennt ist, muss einer der FBs zwischen deutscher und englischer Ansage pendeln, damit alle Passagiere die Demonstration verfolgen k?nnen. Ich hielt die Aufforderung, hin und herzulaufen jedoch f?r einen Scherz und weigerte mich. Mein damaliger Kabinenchef blieb hartn?ckig und so tat ich ihm den Gefallen, immer noch im Glauben, es handele sich um meinen Erstflugscherz. Allerdings lief ich nicht normal, ich h?pfte, schlenderte, wackelte mit dem Hintern und schwang dabei die Sauerstoffmaske wie einen abgestreiften Handschuh beim Striptease. Als das Prozedere beendet war, ging ich nach vorne und hoffte, f?r meine Showeinlage anerkennende Worte zu ernten. Stattdessen handelte ich mir eine verdiente R?ge ein. Am Ende bastelten die Kollegen ein Herz zum Umh?ngen aus einem ausgeschnittenen Schwamm, einer Babyflasche und ineinander verketteten Plomben f?r mich, mit dem ich stolz geschm?ckt meinen Deadheadflug [Flug in Uniform als Passagier zum n?chsten Einsatzort] antrat.

Was bei unerfahrenen Kollegen leicht ist, wird bei Purserernennungen zur Herausforderung. Auf dem Erstflug als Purser begleitete ich einen guten Freund und lie? es mir nicht nehmen, ihn ebenfalls zu ver?ppeln. In Zeiten der Maul- und Klauenseuche in GB wurden desinfizierende Teppiche vor die Flugzeuge gelegt. Ich verkleidete eine Rasierschaumdose zuhause mit Firmenemblem und weihte den Kapit?n in mein Vorhaben ein. Auf dem Flug von M?nchen nach Hamburg stammelte der was von neuen Vorschriften und Crew desinfizieren und hielt dem Kollegen ein selbstgeschriebenes Funkprotokoll [Arcas] unter die Nase. Es war nicht leicht, ihn in meiner damaligen Funktion als FB davon abzubringen, eine Ansage zu machen, mal abgesehen davon h?tte der Rasierschaum auch nicht f?r 140 Passagiere gereicht. Im Transit krempelte mein Freund die Hosen bis zum Knie hoch, der Kapit?n schm?ckte sein Schuhwerk mit Rasierschaum und wir hatten unseren Spa? ob der Naivit?t unseres frischgebackenen Kabinenchefs.

[Situationskomik l?sst sich so schwer in Worte fassen. Aber vielleicht f?llt dem Herrn nff noch was dazu ein?]
10.10.05 02:19


The answer my friend

Einige davon sind selbst erlebt, einige Legenden, die immer wieder gerne erz?hlt werden:

FB zum indischen Gast, der ein Wasser verlangt:
"What?s the magic word?"
Gast, nach kurzem ?berlegen:
"Move!"

Gast regt sich f?rchterlich ?ber die Kabinenbeleuchtung zum zweiten Service auf. Zur FB:
"Hey, switch off that fucking light!"
FB ganz liebreizend:
"I?m sorry Sir, you missed the fucking light. This is the breakfast light."

FB beim Anschnallcheck, schaut jedem Passagier beim Vorbeigehen in den Scho?, bleibt bei einem Herrn stehen und fragt ganz naiv:
"Sagen sie, haben sie keinen oder sitzen sie drauf?"

Gast beschwert sich ?ber sein Menue:
"This chicken is bad!"
FB zum H?hnchen mit erhobenem Zeigefinger:
"You bad, bad chicken! Be a nice chicken!"

FB beim Essenverteilen zum Gast in der letzten Reihe:
"Wir hatten H?hnchen und Fisch. Jetzt haben wir leider nur noch H?hnchen. Das macht aber nix, schmeckt auch nach Fisch!"

Gast, dessen L?uten von der entnervten FB bisweilen ?berh?rt wurde, h?lt diese beim Vorbeigehen auf. Auf die Klingel deutend:
"I fingered this the whole time but you didn?t come!"
FB schulterzuckend:
"I?m sorry Sir. It needs more than one finger to make me come!"

Weitere Beispiele gerne in den Kommentaren.
16.10.05 19:55


Autumn leaves

Den Wind um die Nase zwischen fallenden Bl?ttern radeln. Heute morgen strahlender Sonnenschein aber ern?chternde Temperaturen. Fast h?tte ich vergessen, wie sch?n es sein kann, sich morgens drau?en zu bewegen. Kommt in letzter Zeit immer seltener vor, dass das Bett mich zu angemessener Zeit losl?sst. Mit kalten Fingern in der Tauchschule eingetroffen und einige Sachen aufger?umt. Auf dem R?ckweg einen kleinen Besuch bei der Gro?tante abgestattet. Sch?tzungsweise hat sie davon nicht viel mitbekommen, auch wenn ich das Grab fast auf Anhieb gefunden habe. Schon merkw?rdig, da kriegt jeder auch noch so unbedeutende Mensch ein Denkmal nach seinem Tod gesetzt. Die Verwandten streiten sich dann erst mal eine Weile, wer sich drum k?mmern darf muss. Derjenige kriegt schlie?lich ein wenig mehr vom Nachlass. Damals war mir ziemlich egal, als eine entfernte Verwandte mir die zugedachten Krippenfiguren versuchte abzuschwatzen. Der Deal war letztlich zu meinem finanziellen Nachteil, genau ausgerechnet habe ich es aber nie. Es hat mich einfach nicht interessiert. Das Grab ist mit frischen Blumen geschm?ckt, es gibt wohl jemanden, der danach sieht. Diesen Familienzweig kenne ich kaum.
Beim weiterradeln so vor mich hin gedacht, ob sich wohl jemand wundern w?rde, wenn ich mit dem Fahrrad in den McDrive-In fahre. Wahrscheinlich guckt eh kein Schwein. War bei W?chter genauso. Zuhause festgestellt, dass ich so schlecht sehe, dass ich nicht mal sehe, wie schmutzig meine Brille ist. Trage eh keine Brille, das schult das Geh?r.
17.10.05 13:00


Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette

Nee oder? Nicht das noch. Da will ich mal ganz entspannt einen netten Text lesen und dann DAS! Ich hasse es, wenn mir starke Raucher erz?hlen, sie h?ren mit dem Rauchen auf. Meistens l?chle ich ein wenig s?ffisant und denke mir warten wir ab, das h?lt der/die eh nicht durch. Aber es kratzt ganz gewaltig, zwar nicht im Hals, sondern am Ego. Sowas hat n?mlich mit Disziplin zu tun und macht mir klar, wie wenig ich in letzter Zeit davon habe. Vielleicht ist es auch ein weibliches Ph?nomen. Wenn ich fr?her in meinem Bekanntenkreis die Mitteilung verlauten lie?, dass ich jetzt abnehmen werde, kamen Bemerkungen wie aber das hast du doch nicht n?tig. Wo willst du denn abnehmen? Du hast doch eine gute Figur so sicher wie das Amen in der Kirche. Ja ihr fetten H?hner, dachte ich, ihr habt doch nur Angst, ich k?nnte schlanker sein als ihr, ich k?nnte besser aussehen und euch die Kerle ausspannen, auf die ihr scharf seid. Als meine Freundin letzten Winter ab- und ich selbst zugenommen habe, lag es mir auf der Zunge. Gerade noch rechtzeitig habe ich den Satz abgebogen und ihr stattdessen zu ihrer tollen Figur gratuliert, obwohl ich mir daneben wie ein verwahrlostes Nilpferd vorkam. Das tut dem Selbstwertgef?hl sehr, sehr weh.

Nat?rlich k?nnte ich selber abnehmen oder zu rauchen aufh?ren. Die Frage ist nur wann. Um ein Ziel zu erreichen, brauche ich auf der Wegstrecke geh?rig viele Anfeuerungsrufe, Teilsiege und sichtbare Ergebnisse. Damit sieht?s sowohl beim Abnehmen, als auch beim Rauchen aufh?ren erst mal mau aus. ?berhaupt ist das eine unmittelbar in seiner Auswirkung auf das andere verbunden. Also entweder abnehmen oder Rauchen aufh?ren. So recht kann ich mich da nie entscheiden. Meistens siegt dann das Phlegma, was dazu f?hrt, dass ich zunehme und noch mehr rauche. Dann ist der denkbar ung?nstigste Zeitpunkt, um auf Zigaretten zu verzichten. Irgendwie muss sich mein Frust schlie?lich entladen.
Fr?her sagte ich immer, es g?be nur zwei Gr?nde, um mit dem Rauchen aufzuh?ren. Der eine war, wenn ich merken sollte, dass die Raucherei mein Lungenvolumen einschr?nkt und somit meine Bl?serkarriere negativ beeinflusst, der andere wenn ich schwanger w?re. Die Folge davon war, dass ich mir eine ausgefeilte Technik aneignete, mit der ich jeden Nichtraucher bei langen Passagen schlug und allgemein so fit war, dass mich ein paar Treppenstufen noch nicht au?er Atem kommen lie?en.
Und das mit dem schwanger werden, nun ja, das ist jetzt auch bald durch. Ich war n?mlich immer der festen Meinung, Kinder sind etwas, das einem passiert. Mein Kontrollzwang Meine Vernunft wusste es zu verhindern.

Selbst die steigenden Zigarettenpreise halten mich nicht von der Qualmerei ab. Meine Freundin sagt ja immer, wenn ein Mann heutzutage raucht, wei?t du, dass er eine gute Partie ist. Mit dieser These bin ich allerdings auch auf ein paar sogenannte Lebensk?nstler hereingefallen. Als solche bezeichnen sich heute n?mlich vor allem die Typen, die lange brotlos irgendwelche Geisteswissenschaften studiert und unmittelbar im Anschluss daran Arbeitslosengeld beantragt haben. Ich wei? das, weil ich mich in einer bestimmten Phase meines Lebens ebenfalls als Lebensk?nstler verstand. Heute habe ich immerhin einen Job, mit dem ich billiger an Zigaretten komme. Das ist echte Lebenskunst. Selbst die Fliegerei hat mich nicht von meinem Laster befreien k?nnen. Anfangs war ich so naiv zu glauben, es g?be keine Raucher unter dem Flugpersonal. Die d?rfen ja nicht w?hrend ihrer Arbeitszeit. Weit gefehlt, es findet sich immer eine Gelegenheit dazu. Seit ich Anschaffer bin [ich schaffe an und die anderen tun das, was ich sage], habe ich sogar den ultimativen Erpressungstrick bei Kapit?nen raus, um eine Zigarettenpause durchzusetzen. Einen Teufel werde ich tun und den hier verraten. Aber seien Sie sicher, dass nicht jede kleine Versp?tung auf das Konto der Technik oder der Wetterbedingungen geht. Auf Langstrecke ist das was anderes. Da habe ich eines Tages auf der Suche nach Essbarem in einer Box Kaugummis entdeckt. Nach f?nf Minuten schmecken die f?rchterlich und ich kann meinen Schluckreflex kaum ?berlisten. Schon als Kind habe ich eine Kaugummipackung in weniger als einer Viertelstunde verzehrt. Jedenfalls waren diese Kaugummis so Antiraucherzeug. Ein Kollege kl?rte mich auf, dass man die nicht permanent kauen darf, sondern nur ab und zu draufbei?t, damit Nikotinersatzstoffe frei werden. Da war?s allerdings schon zu sp?t. Der ?tzenden Geschmack lie? sich selbst 8 Stunden sp?ter nicht mit Wein neutralisieren. Jetzt esse ich eben auf Langstrecke diese bl?den Knabbert?tchen.

Schlaumeier kommen letztlich mit dem Geruchsargument daher. Man k?nne alles besser riechen und schmecken, wenn man nicht raucht. Ich muss morgens schon beim Geschmack meiner Zahnpasta w?rgen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich Ostblockfl?ge, auf denen die Ausd?nstung der Leute an s??liches Mottenpulver erinnert, noch geruchsintensiver durchstehen muss, w?re ich h?chstwahrscheinlich arbeitsunf?hig.
Fakt ist, dass es keinen Grund gibt, um dieses Laster abzuschaffen, denn ich habe keine Lust alt und fett zu werden, wenn ich noch nicht mal wei?, ob ich dann Rente kriege. Und man kann nicht immer nur an sich denken. So bleibt halt mehr f?r die Anderen ?brig.
18.10.05 22:06


Fly me to the moon

Bis zum Mond w?re ich wahrscheinlich nicht geflogen aber f?r eine Bloggerlesung habe ich mich spontan als Passagier in die Maschine nach Berlin gesetzt. Das ist ja so eine Sache mit Flugpersonal, das die Rollen tauscht. ?hnlich verh?lt es sich mit ?rzten, die Kollegen als Patienten aufsuchen. W?hrend ich mich am Anfang eher erinnern muss, dass ich durch die Privatkleidung inkognito unterwegs bin, macht es am Ende sogar Spa?, endlich mal die Verfehlungen von Schlipstr?ger?rschen mit einem knackigen Spruch zu kommentieren. Das offizielle Personal hat da eher verdeckte Methoden. Einem Gast, der sich am Gate benimmt, als h?tte er mit dem Erwerb des Tickets die Airline inklusive Personal gekauft, wurde schon ab und zu der RAL Status verliehen. An ihrem Sonderstatus h?ngen die n?mlich wie der R?de am Arsch einer l?ufigen H?ndin und die Kabine wei? sofort, dass es sich bei der betreffenden Person um ein RiesenArschLoch handelt. Einer hielt leider nicht dicht, als sich ein Herr aufgrund seines von Hand nachgetragenen RAL Statusses beim Kabinenpersonal Sonderbehandlung erbat. Als Folge wurde dieser inoffiziell hilfreicher Hinweis auf Boardingkarten hochoffiziell verboten.
Berichten wollte ich aber eigentlich von der Lesung. Frau Klugscheisser dachte sich n?mlich, dass es recht ?de ist, so alleine vor sich hin zu klugscheissen. Und so l?utete sie die ?ra des Bloggertourismus ein. Wenn ich ein gutes Buch gelesen habe, verfolge ich mit Interesse in der Presse eine etwaige Verfilmung. Bei einem guten Blog m?chte ich gerne den Menschen kennenlernen, der dahintersteckt. Manche sind entt?uscht, sollte der Film nicht haargenau die eigenen Projektionen wiedergeben. Das Festhalten an eigenen Vorstellungen ? bezogen auf Film Funk und Fernsehen und Blogs - ist aber letztlich nicht viel mehr als Selbstbefriedigung. Auf Dauer wird das ?de.
Da sa?en Sie nun alle auf einem Fleck, manche durch Bildver?ffentlichungen sofort zu identifizieren, manche unbekannt, waren so v?llig anders als in meiner Vorstellung und zudem sehr nett. Und weil ich wusste, dass ich bis zum ersten R?ckflug um 6.00 durchhalten muss, hab ich mich gleich an einen Berlinblogger mit dem Spruch ?Du musst mich kennen, ich lese Dein Blog? rangeschmissen war ich dankbar, dass die Runde mich so freundlich an die Hand genommen und f?r mein leibliches und intellektuelles Wohl gesorgt hat. ?ber die Lesung und die Texte bitte bei Wortschnittchen, Kathleen,
Burnster und Modeste im Einzelnen nachlesen.
?brigens hatte ich kurz vor meinem R?ckflug noch Sex oder so, zumindest erinnerte der beherzte Griff des Flughafensicherheitspersonals zwischen meine Br?ste und Beine daran.

[besonderen Dank an Modeste, deren Texte mir durch ihren Vortrag wie noch nie zuvor gelesen erschienen, an Burnster, der mich sehr zum Lachen brachte und an Don f?r die gute Unterhaltung]
20.10.05 20:15


HELP

Der recht provisorische Besucherz?hler zeigt mir einen sprunghaften Anstieg von einem auf drei Leser auf meiner Seite! Muss wohl mit diversen Verlinkungen zu tun haben. Das habe ich so nicht gewollt [oder glauben Sie wirklich, ich w?re sonst freiwillig bei myblog?].
Werter Leser
Bitte gehen Sie weiter, es gibt hier NICHTS zu sehen
20.10.05 20:19


Searchin´ Blues

Beim Aufräumen Songtext für einen Bekannten gefunden. Der wollte was für sein internationales Publikum in der Uckermark [sic]. Wird langsam Zeit, dass er mal ´n paar Töne rüberwachsen lässt.
[Welturaufführung: Smartass&the Blogboogieboys 24.3.06]

Oh I´m searching, I´m searching
not for what you may think
I´m not looking for a woman
a job or a shrink.
Even if they´re hard to get
I´d sacrifice them for one thing:
A little space along some sidewalk
where my car would fit in.

Very often I approach
My destination in time,
I start sweating and praying
looking out for a sign
´cause my car attracts preferably
the wrecking trucks in line
then my ride back is cancelled
and a ticket is mine.

Oh I´m searching, I´m searching
not for what you may think
I´m not looking for a woman
A job or a shrink.
Even if they´re hard to get
I´d sacrifice them for one thing:
A little space along some sidewalk
where my car would fit in.

Last week I had a date
she had eyes blue as the sky
The location I had chosen
has a parking lot nearby
When I arrived there was a sign
“Closed for construction” so I cried
She was gone when I appeared
now I´m the one who is blue-eyed.

Oh I´m searching, I´m searching
not for what you may think
I´m not looking for a woman
a job or a shrink.
Even if they´re hard to get
I´d sacrifice them for one thing:
A little space along some sidewalk
where my car would fit in.

Recently I didn´t trust my eyes
a gap across the street
When I saw a car approaching
for the open space to meet.
Though I was ready to fight
´cause it was my gap to plead
The driver stepped out of his car
convincing figure indeed.

Oh I´m searching, I´m searching
not for what you may think
I´m not looking for a woman
a job or a shrink.
Even if they´re hard to get
I´d sacrifice them for one thing:
A little space along some sidewalk
where my car would fit in.

Finally I sold my car
and I was happy as can be
Now I´m watching all those seekers
while I drink a cup of tea
Tonight a friend will pick me up
If there´s a parking space for free
I hope he´ll soon arrive,
well I´m not sure, we will see…


Oh, I´m searchin, I´m searching
cause I have too much time to think
Now I depend on help
from my friends and a shrink.
The only sense in my life
was my car even it was pink
Ev´ry time I see a gap
I have to smile and to wink.
21.10.05 22:28


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