Dünne Luft
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Schöner fliegen
Lass mich Dein Badewasser schlürfen

Seit kurzem bin ich stolzer Besitzer einer Badewanne. Aber da h?ren die Probleme ja nicht auf, da fangen sie erst an! Mein entstandenes Problem ist ein bis dato immer wieder erfolgreich verdr?ngtes und typisches Frauenproblem. Ich lasse das Wasser in die Wanne bis knapp unter dem Rand ein und tauche gen?sslich meinen perfekten Astral durchgefrorenen K?rper in die aufgesch?umten Fluten. Jetzt ist er fast vollst?ndig eingelullt in warme, das Embryonalstadium imitierende Fl?ssigkeit. Fast! Zwei Erhebungen ragen ?ber die Oberfl?che hinaus. Ich dr?cke meinen R?cken an den Wannenboden, verrenke mir s?mtliche Halswirbel, doch da sind immer noch zwei Spitzen, die merklich k?lter werdend erstarren. Diese Kr?mmung der Halswirbels?ule ist alles andere als bequem. Nach kurzer Zeit gebe ich nach und sp?re die Zugluft auf meinen Br?sten. Also wieder eintauchen. Irgendwas im Hals knackt. Die Muskulatur ist angespannt, um diese K?rperhaltung beizubehalten. Keine Spur von Entspannung. Da helfen nicht einmal ayurvedische Bade?le. Ich versuche, gleichm??ig zu atmen, was sich angesichts der Verrenkung ziemlich schwierig gestaltet. Nach einer Weile gebe ich auf. Schlie?lich ist weder Wasser zu atmen, noch kalte Titten bekommen besonders angenehm. Wie macht Pamela Anderson das? Die Frau hat doch bestimmt eine Badewanne. Wahrscheinlich ist das der wahre Grund f?r ihr Silikonremoval. Die konnte ja ?berhaupt nicht mehr tauchen. Die einzige L?sung, die mir auf die Schnelle einf?llt, ist ein Schnorchel. Wie bescheuert ist das denn, mit Schnorchel in der Badewanne? Oder man k?nnte die Wanne mit einem Gef?lle Richtung F??e ausstatten aber wirklich entspannend ist es auch nicht, in der Wanne schr?g zu stehen. Da l?uft man sogar noch in Gefahr, bei jeder Bewegung seekrank zu werden.

Und wieder einmal bin ich der Meinung, dass Standardbadewannen von M?nnern konzipiert wurden, denn die d?rften damit wohl wenig Probleme haben.


[Silvester in der Wanne, das hat was. Wenn auch nicht ganz freiwillig]
1.1.06 00:55


He never get enough from fish and poi

"I am a very easy passenger, I eat everything!"
W?hrend wir noch glaubten, er meinte, nicht w?hlerisch zu sein, lie? jener nicht einmal einen Rest f?r die hungernden Kinder in Afrika ?brig. Die Cateringfirma hatte nichts ausser leeren Tellern zu entsorgen.
6.1.06 08:22


Deep in it

Eintauchen in Menschenmeere.
Akustische Seifenblase aus St. Germain.
Leben atmen.
Abgegrenztes Teil eines Ganzen sein.
Schweigen im Kopf.
Bauch?berw?ltigung zulassen.
Taumel der Sinne.
Flucht in Bew?hrtes.
Festhalten an Begrenzungen.
Vortasten der Zehen.
Weitergehen.

In der Fremde ankommen.
6.1.06 08:25


King Kong in Hong Kong

Hongkong liegt mir zu F??en, zumindest wenn ich aus dem gro?en Panoramafenster meines Zimmers im 26ten Stockwerk schaue. Glitzernde Punkte und Leuchtreklame, die den Wolkenkratzern aus dem Dunkel ihre Silhouette geben. Dazwischen sich bewegendes Farbenspiel, Lichtkegel, die verg?ngliche Figuren in den Nachthimmel zeichnen. Das sich auf dem Wasser kr?uselnde Licht. Die F?hren teilen es ger?uschlos. Kleine Punkte, die ihren Weg ?ber die Wasseroberfl?che suchen. Im Bauch die Menschen, die der Stadt ihr Leben geben. Ein gigantischer Anblick, ganz f?r mich alleine. Diese Stadt, die viel mehr ist als nur Metropole. Eingeh?llt in einen geheimnisvollen Dunstschleier, kann man die gr?nen H?gel erahnen, die einst als Wohnst?tte der Drachen galt. Noch heute wird durchsichtig gebaut, ja oft sogar mit scheinbar sinnlosen Aussparungen in Fassaden, um ihnen den Blick auf das Meer nicht zu verwehren und sie so sanftm?tig zu stimmen. Ein moderner Nachk?mmling der alten Drachen ? der Bussard - kreist vor meinem Fenster. Er f?hrt auf den Luftschichten, als w?ren sie befestigte Serpentinen, gleitet ohne jegliche Anstrengung von einer zur n?chsten. Unter ihm bilden Menschen Ameisenpfade, Spielzeugautos werden von Geisterhand auf den Stra?en vorangeschoben. Wie fremd schien mir all das, als ich zum ersten Mal eintauchte. Fremd und gleichzeitig faszinierend. Heute f?hle ich mich wie ein kleiner Gott, der das rege Treiben von oben betrachtet.

mehr zur gro?en Stadt
6.1.06 15:05


"Warst Du letztens auf meiner Seite?"
"Ja, ich lese da ?fter."
"Ach DU warst das!"
8.1.06 19:45


bad day

Wenn die Besucherkinder Schneefl?ckchen singend mit den Staubflocken spielen,
wenn die g?hnende Leere im K?hlschrank zu einem Gespr?ch ?ber caritative Einrichtungen f?hrt,
wenn Du beim Betreten des Badezimmers ?ber den Berg Schmutzw?sche stolperst,
wenn der Boiler nur noch lauwarmes Wasser f?r die Wanne liefert,
wenn der Blick in den Schrank zeigt, dass keine geb?gelte Bluse f?r den n?chsten Tag zur Verf?gung steht,
wenn Du von Freunden mit den Worten ?lebst Du auch noch?? begr??t wirst,
wenn der Barkeeper der Rechnung eine Visitenkarte der anonymen Alkoholiker beif?gt,
wenn die fl?chtige Bekannte fragt, ob Du schwanger seist,
wenn der Postbote anmerkt, man solle sich f?r Mahnungen k?nftig ein Postfach einrichten,
wenn sich die Lieblings-CD bei den Topfuntersetzern befindet,
wenn das Auto nicht auffindbar, weil abgeschleppt ist,
wenn die Drogistin sagt ?in ihrem Alter w?re aber eine feuchtigkeitsspendende Pflege wichtig?,
wenn selbst der Therapeut nicht versteht, wovon Du sprichst,
wenn das einzig trostspendende Buch auf nimmer wiedersehen verliehen ist,
wenn Du Spammails liest, weil das die einzig neuen Mails in Deinem Postfach sind,
wenn Dich die Macken der Anderen mehr als die Deiner Eltern nerven,
wenn Du selbst ?ber all das nicht mehr lachen kannst,

dann wei?t Du, dass Du einen Schei?tag hattest.
9.1.06 23:22


Looking back

Der Komponist Anton von Webern liebte Bergwanderungen. Als er eines Abends nach der ?berquerung eines Schneefeldes die H?tte erreichte, wurde ihm zugetragen, es h?tte sich dort ein Schneebrett gel?st. Auf einen Schlag wurde ihm die komplette Tragweite dieser Begebenheit bewusst. Das Ereignis musste kurz nachdem er die besagte Stelle passierte geschehen sein. Pl?tzlich waren Leben und Tod sehr nahe beieinander. Nach seiner R?ckkehr berichtete er davon seinem verehrten Lehrer und Mentor Arnold Sch?nberg davon. Dieser begriff nicht, was sein Sch?ler damit ausdr?cken wollte. In einer Biographie ?ber Anton von Webern las ich vor etwa 15 Jahren davon. Es war eine der Passagen, die mir im Ged?chtnis geblieben sind, da sie auch bei mir einen gro?en Eindruck hinterlie?en. Leider kann ich sie nur sinngem?? wiedergeben.
?berhaupt geschahen in Anton von Weberns Leben sehr seltsame Dinge. Gestorben ist er an einer einzigen Zigarre. Seinem Enkelkind zuliebe z?ndete er sie drau?en vor dem Haus in Wien an. Als ein amerikanischer Besatzungssoldat den Feuerschein sah und von Webern auf dessen Zuruf nicht reagierte, scho? der Soldat und verwundete den Komponisten t?dlich am Ende eines schrecklichen Krieges, den er bis zu diesem Zeitpunkt unbeschadet ?berstanden hatte.

Eigentlich h?tte ich heute gerne Lustigeres zum Besten gegeben. Doch heute war ich zum dritten Mal *) unfreiwillig Beteiligte bei einer Fastkollision zweier Flugzeuge nach ?berlingen-Manier. Das Bodenpersonal war wieder einmal vom Verkehrsaufkommen ?berfordert. Wenn zwei Flugzeuge aufeinander zurasen, bleiben beiden nur etwa 40 Sekunden, um den Kurs zu korrigieren. Damals in ?berlingen hat der Pilot den Instruktionen des Bordcomputers weniger vertraut als seiner eigenen Einsch?tzung. Er entschied sich f?r die falsche Richtung.
Das Ausweichman?ver selbst f?hlt sich zwar merkw?rdig in der Kabine an, doch was wirklich geschah, erf?hrt man erst hinterher. Das Begreifen der Tragweite einer Situation setzt augenblicklich ein, ?berw?ltigt und l?sst Knie weich werden.
Manches Mal ist es besser, nicht jederzeit alles zu wissen. Vielleicht werde ich ja morgen von einem Lastwagen ?berfahren.


*) dem mitfliegenden Kollegen ist das bereits zweimal passiert.
Weitere Kollegen berichten in erschreckend regelm??igen Abst?nden von ?hnlichen Erlebnissen.

11.1.06 02:32


Von 90 beladenen Koffern, war der gesuchte Nummer 87, der wieder entladen werden musste. Das nenne ich nicht Murphy?s law, das nenne ich Gl?ck. H?tte ja auch Nummer 90 sein k?nnen.
11.1.06 11:57


Steamed hot towel on my face

Obwohl die Branche schon relativ alt ist, gibt es offenbar immer noch offene Fragen in der modernen Luftfahrt. Auf Wunsch eines einzelnen Lesers hier nun eine dieser Fragen: was macht man mit diesen hei?en T?chern, die auf Langstrecke vor dem Service ausgeteilt werden?
Zun?chst einmal erwartet der Passagier, der sich auf Reisen begibt und zu diesem Zweck ein teures Flugticket erwirbt, etwas zu bekommen. Jeder erhaltene Gegenstand rechtfertigt f?r ihn den Preis, den er bezahlt hat. Nachdem nun im Bereich der verzehrbaren Gegenst?nde in den letzten Jahren erheblich eingespart wurde, scheint es eigenartig, dass die T?cher noch immer angeboten werden. Macht aber wirtschaftlich gesehen wiederum Sinn, denn w?hrend Sektflaschen und Schokoherzen im Einkauf wesentlich teurer sind als billige Papiert?cher, haben letztere auch noch den Vorteil, dass sie leichter zu handhaben sind. Man kann sie herunterwerfen, sie auf die Kleidung legen oder sie dem Nebensitzer unter den Arm schmuggeln, der gerade auf der hei? umk?mpften Armlehne weilt, ohne dass h?ssliche Verunreinigungen zur?ckbleiben, wie dies bei umgekippten Getr?nken der Fall w?re.

W?hrend Flugbegleiter mit Zangen dem Gast eines der T?cher darbieten, hat jener eine der seltenen M?glichkeiten, einem fachkompetenten Mitarbeiter Fragen zu stellen. Da der durchschnittliche Passagier mit seinem Sitznachbarn eher selten ins Gespr?ch kommt ? was wiederum ein weiterer Beweis f?r soziale Inkompetenz in der Bev?lkerung ist ? richtet er doch immer wieder gerne das Wort an die Mitarbeiter. M?glicherweise gibt es sehr viele Menschen, die das Schweigen verlernt haben. M?glicherweise liegt es auch daran, dass manch einer den Wald vor lauter B?umen nicht sieht. Begehrt wird immer das Unerreichbare. Selbst wenn neben ihm Claudia Schiffer s??e, h?tte der durchschnittliche Passagier doch nur Augen f?r den Ausschnitt der Kollegin, die ihm nach vorne gebeugt ein Getr?nk reicht. Nachdem der Passagier nun aus unruhigen Tr?umen erwacht, in denen m?glicherweise auch die Kollegin eine nicht ganz jugendfreie Rolle spielte, und selbige ein hei?es Tuch schwenkend vor sich sieht, f?hlt er sich f?rmlich gezwungen, die Gelegenheit zu nutzen. Da wir alle wissen, wie schwer sich der moderne Mann in der Kontaktaufnahme zum weiblichen Geschlecht tut ? nicht umsonst gibt es wachsenden Zulauf bei Internetpartnerb?rsen ? wird sein erster Satz des Humors entbehren. Was folgt, ist die Frage nach seinem Anschlussflug, f?r den die Kollegin zu diesem Zeitpunkt noch keine Antwort hat. Nach einigen Minuten wird sich unser Beispielpassagier ob seiner durch Humorlosigkeit verspielten Chance ?rgern, doch die Kollegin ist bereits mehrere Reihen entfernt.

Noch nicht gekl?rt ist allerdings die Frage nach der Funktion der T?cher. Dies steht dem einzelnen Gast v?llig frei. Manch einer packt das Ding in sein Handgep?ck, um es zu Hause als Putz-, Sp?l- oder Waschlappen zu benutzen. Fragt man solche G?ste, ob Sie einen Weiterflug gebucht haben, h?rt man h?ufig, ihr Endziel sei Stuttgart oder Aberdeen. Ist man besonders geh?ssig, kann man dann noch beil?ufig hinzuf?gen, dass dort die Zollkontrollen besonders scharf seien und Passagiere, die entwendetes Eigentum der Fluggesellschaft im Handgep?ck mitf?hrten, sofort der Polizei ?bergeben w?rden. Sobald man aus dem Blickfeld der G?ste verschwunden ist, kramen diese eifrig in Taschen und T?ten, um Besteck zum Vorschein zu bringen, das sie anschlie?end in Sitztaschen verschwinden lassen.

Andere G?ste nehmen die T?cher in Empfang und beobachten Umsitzende, da sie sich selbst nicht sicher sind, was sie damit machen sollen. Da die T?cher hei? sind ? manchmal auch nur lauwarm ? und diese Erkenntnis sofort nach Empfang vom zentralen Nervensystem an das Gehirn gesendet wird, beginnt der Gast, das Tuch von einer Hand in die andere zu werfen. Das macht er so lange, bis die Bewegung in eine Art H?ndereiben ?bergeht und schlie?lich die Handfl?chen damit gereinigt werden. So haben wir wieder einen Beweis f?r immerw?hrende Evolution ausgel?st durch ?bersprunghandlungen. W?hrend der Affe lernte, Werkzeuge zur Nahrungsaufarbeitung zu benutzen, lernt der Passagier, dass er seine H?nde mit einem kleinen hei?en T?chlein reinigen kann. Der N?chstsitzende braucht dann nicht einmal den ganzen Lernprozess durch Nervenreizung zu durchlaufen, sondern nutzt die Nachahmung. Manch einer ist sowohl gegen Nachahmung, als auch gegen Lernen immun. Er wird sich eine andere M?glichkeit der Nutzung aussuchen. Falls Sie das Tuch als Hakle-Feucht-Ersatz verwenden, bitten wir Sie allerdings, dieses nicht beim Einsammeln zur?ckzugeben, sondern es selbst?ndig zu entsorgen. Entgegen der irrt?mlichen Meinung mancher Passagiere werden sie nicht gewaschen und wiederverwendet, sondern weggeworfen. Dennoch sammeln wir die T?cher wieder ein, um den Passagier aufgrund beengter Sitzverh?ltnisse von ?bersch?ssigem zu befreien.

Japanische G?ste verleihen ihrer Kreativit?t Ausdruck, indem sie die T?chlein in reizende Origamigebilde verwandeln. Inder schaffen es ob der Gr??e der T?cher erstaunlicherweise, damit den gesamten K?rper von Schwei? zu befreien. Afrikaner bitten um mehrere T?cher, die dann dort auf dem Schwarzmarkt wieder auftauchen. Chinesen haben keine Verwendung daf?r und lehnen das Tuch meist dankend ab. Nordamerikaner be?ugen die T?cher misstrauisch und suchen den Warnaufdruck, w?hrend S?damerikaner damit wild um sich werfen. Russen s?ubern damit ihre Geldscheine, die sie dick gestapelt mit sich f?hren und Skandinavier stecken sie in ihre Handschuhe, um die aufzuw?rmen. Einzig die Deutschen scheinen ein wenig ?berfordert von der Entscheidung, was sie damit machen sollen. Lassen Sie doch mal ihrer Phantasie freien Lauf. Sie werden sehen, es geschehen da erstaunliche Dinge.

12.1.06 21:46


He was a handyman

Handwerkliche F?higkeiten geh?ren zu den m?nnlichen Eigenschaften, obwohl sie nicht unbedingt automatisch angeboren sind. M?nner sind bekanntlich Probleml?ser und ein so einfaches Problem wie eine Schraube, ein Nagel oder eine Leitung im Widerstreit mit einer Wand ist vordergr?ndig betrachtet, im Vergleich zu den zahlreichen anderen Frauensorgen,
einfach zu l?sen. K?nnte man meinen.
Meine Erlebnisse hierzu geh?ren der Vergangenheit an, jedoch nicht ohne einen direkten Bezug zur Gegenwart zu missen. Als ich in meine erste Altbauwohnung in M?nchen zog, stellte sich heraus, dass die Konsistenz der W?nde in reziprokem Verh?ltnis zu den Bem?hungen meines damaligen Freundes stand, daran diverse M?bel zu befestigen. Die erste Herausforderung bestand im Anbringen einer Garderobe. Da mein gesunder Menschenverstand mir sagte, dass sich in der Linie der geplanten Bohrungen Stromleitungen befinden k?nnten, drehte ich, nicht ohne meinem Freund ein geh?ssiges Lachen zu entlocken, vorsorglich die Sicherungen heraus. Er schwang den Bohrer kampflustig in entsprechende Position, bohrte und besah das Ergebnis mit einem zwiesp?ltigen Blick, der B?nde sprach. Darin spiegelten sich die tausend Fragen der Menschheit gleichzeitig mit der Verunsicherung eines Schuljungen, der auf die Frage der Lehrerin keine Antwort parat hat. Dabei war meine Frage noch relativ einfach zu beantworten. ?Warum starrst Du in das Loch? Was siehst Du?? Die Antwort kam z?gerlich. ?Ich sehe Licht.? Jetzt war es an mir, festzustellen, ob er ? seines Zeichens Halbitaliener und dementsprechend katholisch erzogen ? eine Marienerscheinung hatte, sich kurz vor Eintritt in das Nirvana befand oder nur mit wenigen Worten einen klassischen Wanddurchbruch beschrieb. Nach kurzer ?berpr?fung der anderen Seite im angrenzenden Zimmer stellte sich schnell heraus, dass letzteres zutraf. Da das Loch nun schon einmal da war, nutze er es trotzig, um die Schraube f?r die Garderobe darin zu befestigen. Man k?nne hinterher immer noch die Wand von der anderen Seite zuspachteln. Kurz darauf hing das M?bel und ich wurde angewiesen, die Sicherung wieder einzudrehen, was ich auch tat. Das Ergebnis war ein Leuchten sowohl der Lampe, als auch der Garderobe, das sich auch durch Bet?tigung des Lichtschalters nicht abstellen lie?. Die Garderobe wurde entfernt ? sp?ter tauschte ich sie gegen einen St?nder aus ? und das n?chste Problem in Angriff genommen. Eine Lampe sollte an die Decke des gro?en Zimmers. Diesmal drehte mein Freund freiwillig die Sicherungen heraus. Doch auch dieses Mal war das Ergebnis der Probebohrungen viel Sand und ein bedenkliches Nachgeben im Widerstand. Am Ende hatte ich freien Zugang f?r M?use und Spinnen in den Speicher. Ich rief einen zweiten Freund um Hilfe, der das Malheur mittels Schrumpfkabel (was f?r eine geniale Erfindung), Gips und einigen Spachtelstrichen beseitigte. Das Selbstbewusstsein meines Freundes hatte allerdings schweren Schaden genommen. Einige Tage sp?ter erlitt es im Versuch, den Rest an m?nnlicher Ehre wiederherzustellen, weiteren Schaden. Heimlich hatte sich mein Freund eine Lampe f?r seine eigene Wohnung gekauft und wollte diese nun an der daf?r vorgesehenen Decke befestigen, jedoch nicht ohne auch diesmal eine Leitung dabei zu besch?digen. Abgesehen von der Begleitung bei einem meiner regelm??igen Baumarktbesuche, weigerte er sich fortan Ger?tschaften zu ber?hren, die auch nur ann?hernd Heimwerkert?tigkeiten vermuten lie?en.

Doch selbst die reine Beraterfunktion sch?tze ihn nicht vor Versagen in seiner m?nnlich angestammten Rolle. Auf der Suche nach speziellen Schrauben entwickelte sich vor entsprechendem Regal folgender Dialog:

Er: ?Das sind die Richtigen.?
Ich: ?Nee, die sind doch niemals 5cm lang.?
Er: ?Sicher sind die das.?
Ich: ?Da steht aber 3cm drauf.?
Er: ?Das seh ich doch blind, dass das keine 3cm sind, sondern 5.?
Ich: ?Jaja, und das [eine in etwa 10cm Fingerspanne zeigend] sind 20cm.?

Hinter uns lautes Auflachen eines m?nnlichen unfreiwilligen Zuh?rers. Daraufhin waren jegliche Baumarktbesuchsbegleitungen gestrichen. Frauen k?nnen so grausam sein.

15.1.06 09:42


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